Bern, 18.06.2025
Auf Einladung von Franz Meury und Christoph Schärer trafen sich Roger Beer, Felix Guhl, Herbert Guntelach, Alex Jost, Francis Kilchenmann, Marc Perrin, Peter Stünzi und Christian Wieland in Bern.

Beim Kaffee begrüsste Franz kurz und übergab dann Christoph Schärer das Wort, welcher seinen Vorschlag für den Besuch vorstellte.
Nach Erläuterungen zur provisorischen Begrünung des Helvetiaplatzes und den Vorstellungen für eine endgültige Gestaltung ging's zur Promenade über die Englischen Anlagen.
Die Englischen Anlagen
Anhand von Plänen, Zeichnungen, Fotos erläuterte Christoph Schärer auf eindrückliche Weise die wechselvolle Geschichte der Englischen Anlagen am Aarehang gegenüber dem Münster.


Der Aaarehang, ein natürlicher Wald mit Wegen und Pfaden, wurde durch den Verschönungsverein ab 1911 schrittweise erweitert, wie es die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Vereins ergaben.

Es entstand eine Anlage mit Plätzen, Sitzbänken, Brunnen, Weiher und wichtig, mit Durchblicken durch die Baumkulisse zum Münster. Die Bauten wurden einfach ausgeführt, mit Materialien vor Ort.
Die Anlage spürte in den letzten Jahrzehnten den mangelnden Unterhalt. Der Weiher trocknete aus, Stützmauern kollabierten, Wegkanten rutschten ab. Eine Sanierung wurde notwendig.

Die Sanierung im Umfang von 3,5 Mio erfolgte unter voller Rücksichtnahme auf die ursprünglichen einfachen Bauweisen. Nicht die technisch perfekten Lösungen wurden umgesetzt sondern ein Interpretieren, Anpassen an damals, zum Beispiel stehende Platten zur Hangsicherung. Die Landschaftsarchitektin Brigitte Nyffenegger sowie der Unternehmer konnten sich auf dieses Herantasten einlassen. Alle Materialien mussten mit Kleintransportern auf den Waldwegen herangeführt werden.
Sanieren im Wald benötigt viele Diskussionen mit dem Forstdienst. Bei der Waldpflege wird mit Naturverjüngung gearbeitet, nur Eiben und Eichen wurden gezielt gepflanzt. An den Aaretalhängen sind Bäume von 30 Zentimeter Umfang (gemessen 1 Meter über Boden) geschützt.
Das gelungene Werk wurde 2024 mit dem Schulthess Gartenpreis ausgezeichnet.
Park Elfenau
Zum von Stadtgrün Bern gesponserten Zmittag (vielen Dank) fuhren wir zum Parkcafé Orangerie Elfenau.
Nach der Stärkung erklärte Christoph Schärer auf einem kleinen Rundgang Eckpunkte der Elfenau. Diese hat drei Elemente, Bauernhof, Gärtnerei und Park mit Villa. Der Bauernhof wird von einer GmbH geführt. Die Wiesenflächen sind zweischürige Blumenwiesen. Der untere Rand der Parkanlage grenzt an die Aareebene. Die heutige Aufteilung in Aare und grossen Weiher, getrennt durch einen Damm, mit Wanderweg, wird umgebaut. Die Aare soll mehr Gestaltungsraum erhalten. Der Damm wird oben und unten geöffnet, so dass der Weiher durch und bei Hochwasser überflutet wird. Entlang dem Hangfuss soll ein neuer Fussweg entstehen.
Stadtgärtnerei Elfenau heute
Lukas Zurbuchen führte uns durch die Stadtgärtnerei. Fünf Mitarbeitende und vier Auszubildende bilden den Mitarbeitendenstamm. Die Gärtnerei umfasst 13 Häuser in sieben Klimazonen. Geheizt wird mit Gas und Öl. Der Holländerblock wird im Sommer für Veranstaltungen freigeräumt.
Alte Geraniensorten, Bioproduktion und Anzucht seltener Pflanzen für Auswilderung bildeten die spannenden Themenschwerpunkte. Mehrere Reihen Geranien standen bereit für die Erläuterungen. Lukas Zurbuchen ging zu den Anfängen der Geranienzucht. Er zeigte auf, wie die Farbe Rot in die Züchtung kam, wie sich die Ausbildung der Blüten mit der Zeit änderte, zum Beispiel mit tulpenförmigen Blüten. Die Stadtgärtnerei «hütet» für Pro Spezia Rara etwa 100 alte Geraniensorten. Viele davon kamen durch einen Aufruf in die Sammlung. Sie tragen in der Sammlung zum Teil Namen der Herkunftsorte da die ursprünglichen Namen nicht bekannt sind. Jedes Jahr werden etwa 18'000 Jungpflanzen produziert.
Die Stadtgärtnerei produziert nach Biorichtlinien, ist aber nicht zertifiziert. Die Umstellung zur Bioproduktion war eine echte Herausforderung. Eindrücklich, die Auslage der verschiedenen geprüften Substrate um Torf zu ersetzen. Die heutige Substratmischung umfasst 5% Kokosfaser, ¼ Kokosmehl, ¼ zweijährigen Rindenkompost, ¼ Holzfasern und ein wenig Landerde. Als Grunddüngung wird Schafwolle verwendet, Flüssigdünger wird sofort nach dem Topfen gegeben.
In einem Aussenquartier vermehrt die Stadtgärtnerei seltene einheimische Arten. Ziele sind die Wiederansiedlung in neuen Lebensräumen oder die Stärkung schwacher Populationen. Auftraggeber sind häufig Stadt oder Kanton Bern, aber auch weitere Kantone haben diese Möglichkeit entdeckt, das spezielle Wissen der Berner zu nutzen. Und speziell ist das Wissen wirklich. Häufig wird nach der Methode Versuch und Irrtum auf verschiedenen Wegen erprobt, wie zum Beispiel eine Saat gelingen kann. Für dieses Spezialgebiet konnte die Stadtgärtnerei eine Botanikerin anstellen.
Informationen zu den Betrieben Elfenau
Un grand M E R C I à Franz und Christoph für die Einladung und Organisation dieses Treffens!
24.06.2025 Peter Stünzi / Franz Meury / Roger Beer
Seite erstellt am 08.08.2025