Regionaltreffen Bellinzona/Sorengo 2025
Text und Fotos: Pirmin Frey, Baar
Die Stadtgärtner der Zentralschweiz und Tessin trafen sich in diesem Jahr am 15./16. Mai wieder in der Südschweiz. Die Förderung der Biodiversität, in verschiedenen Formen, aber auch der Umgang mit Wärmeinseln in der Stadt sowie Baumsanierungen waren die Themen.
Pünktlich zum 15. Mai schlug das Wetter um und strahlender Sonnenschein kehrte in Sorengo ein. Diese kleine Gemeinde liegt direkt neben Lugano und ist mit der Bahn bequem erreichbar. Sorengo hat etwa 2200 Einwohner. Gastone Boisco begrüsste uns nach dem Morgenkaffee im Gemeindezentrum NCC. Gastone ist Stadtvermittler und Architekt und von der Gemeinde als Stadtplaner angestellt. Sorengo hat sich letztes Jahr auf den Weg zur Grünstadt Schweiz gemacht (Vortrag von Gastone Boisco an der GV 2024 in Mendrisio). Ausserdem ist diese Gemeinde eine Gartenstadt. Sorengo hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erfahren mit reger Bautätigkeit und starkem Bevölkerungszuwachs. Rechtzeitig hat aber die Gemeinde die Herausforderungen der Klimaerwärmung erkannt und reagiert. In der sogenannten SorenGo GREEN Linie hat sie sich Richtlinien gesetzt, die folgende Themen behandeln: Ökologischer Ausgleich, Wärmeinseln, Förderung der Biodiversität, Bäume und Wanderwege. Die SorenGo GREEN Linie umfasst auch ein eigenes Label genannt "Oasi urbani". Mit diesem werden Private ausgezeichnet, die ihre Gärten besonders naturnah umgestalten und bepflanzen.
Im Anschluss begaben wir uns auf einen etwa einen Kilometer langen Fussmarsch bei dem wir die laufenden Projekte in der Gemeinde besichtigen konnten. Gastone referierte dabei auf Italienisch und Nicola Sartori auf Deutsch. Schon kurz nach dem Abmarsch wurde uns Trottoirsabschnitte gezeigt bei denen die Oberfläche gegen einen wasserdurchlässigen Belag ausgetauscht wurde. Gleichzeitig wurden dazu Rabatten mit einheimischen Stauden erstellt. Beachtenswert sind die Panchine Sorengo Green.

Die grünen Sitzgelegenheiten "Panchine Sorengo Green" werden mit der Zeit von Kletterpflanzen eingewachsen. Staudenpflanzungen begrünen die Trottoirs.
Im weiteren Verlauf des Spaziergangs besichtigten wir auch einen privaten Garten der naturnah umgestaltet wurde. Hierbei ist zu erwähnen, dass es im Tessin noch zwei Firmen gibt, die regional heimische Wildstauden kultivieren. Auf unserem Weg erreichten wir bald die neue Streuobstwiese mit den jungen Obstbäumen.

Die Streuobstwiese wurde ausschliesslich mit traditionellen Sorten von Pro Specie Rara bepflanzt.
Bald erreichten wir den Erhohlungswald von Sorengo, durch den ein Wanderweg führt. Eingangs steht eine Orientierungstafel, die alle vorhandenen Baumarten und die weitere Pflanzenwelt beschreibt. Auch sind die Verhaltensregeln aufgeführt. Speziell ist zu erwähnen, dass es in dem Waldstück keine Abfallkübel gibt. Es wird erwartet, dass jeder Besucher seinen Abfall wieder nach Hause mitnimmt und so Verantwortung für die Umwelt übernimmt. Bei einer Waldlichtung öffnete sich der Blick auf den Laghetto di Muzzano. Ein bezaubernder kleiner See, der noch zur Gemeinde gehört.
Weiter, vorbei an neuen Stauden- und Baumpflanzungen erreichten wir den "Froschtunnel". Er wurde erstellt, um den Amphibien die Strassenquerung zu ermöglichen. Vor dem Mittagessen erreichten wir dann noch den Parco Casarico.

Von der ersten Planung bis zur Realisierung des "Parco Casarico" gingen dreissig Jahre ins Land.
In diesem Park befindet sich der Pegora Point, Heimat der Gemeinde-Schafe von Sorengo. Im Dialekt des Onsernonetales heisst Peria Schaf. Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass das Onsernonetal die Heimat von Nicola Sartori ist, dem neuen Regionalgruppenleiter. Auf der städtischen Weide von Sorengo - dem Pegora Point - weiden die Schafe wenn sie nicht gerade zum Unterhalt anderer gemeindlicher Flächen eingesetzt werden. In dem Park gibt es auch ein Gebäude - der sogenannte Kiosk - das von der Bevölkerung gemietet werden kann, um Anlässe durchzuführen. Ideal jetzt auch für uns, um das Mittagessen einzunehmen.
Frisch gestärkt ging unsere Stadtwanderung weiter. Ziel war das Seniorenheim Al Pagnolo. Dieses wurde nach vierzig Jahren von Grund auf renoviert und erhält nun einen neuen Garten, der auch als Therapiegarten gestaltet ist. Diese Aufgabe hat der Landschaftsarchitekt Enrico Sassi übernommen. In einem Referat erklärte er uns seine Schwerpunkte für dieses Projekt. Im Herbst dieses Jahres soll der Garten fertig werden. Leider kann man den Garten nicht von aussen betreten da er abgeschlossen ist. Grund dafür ist der Aufenthalt von schwer Dement-Kranken die sich ausserhalb leicht verlaufen.
Zurück im Gemeindezentrum gab es noch Zeit für Fragen und eine angeregte Diskussion über das Gesehene. Anschliessend begab sich die Gruppe auf den Weg nach Bellinzona für den Hotelbezug. Das Nachtessen fand in einem traumhaften Grotto im angenehmen Schatten von grossen Bäumen statt. Bei der erstklassigen Mahlzeit konnte die Regionalgruppe den eindrucksvollen Tag gemütlich ausklingen lassen.
Der zweite Tag begann in Bellinzona auf dem Piazza del Sole. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen grossen sonnigen Platz. Leider ist er eher eintönig, ohne Bäume, rund 3'600 Quadratmeter gross und bietet wenig Möblierung. Ein Platz der sich im Sommer natürlich sehr aufheizt. Um Abhilfe zu schaffen wird Nicola Sartori Bäume in grossen Kunstofftöpfen als Schattenspender platzieren. Unter dem Piazza del Sole befindet sich eine Tiefgarage, daher kann man dort keine Baumgruben erstellen. SoStare al sole heisst das Projekt in dem rund zwanzig verschiedene Bäume auf der Fläche platziert werden. Die Tröge werden gleichzeitig als Sitzgelegenheit dienen. Ausserdem sind sie aus Kunstoff um Gewicht zu sparen und dem Vandalismus vorzubeugen.
Bäume waren auch im zweiten Punkt unseres Programms ein Thema. In der Innenstadt von Bellinzona steht die Sanierung einer Allee an. Es handelt sich um rund hundert Tilia americana. Die Standorte der Bäume lassen zu wünschen übrig, aber Fällen ist keine Option. Nicola hat es wirklich mit einer Knacknuss zu tun.
Bäume an der Eisenbahnlinie sind ein weiteres Thema. Bellinzona liegt bekanntlich an der Gotthardlinie der SBB. Es ist verständlich, wenn die Bahn etwas nervös reagiert, wenn grosse Bäume direkt an der Eisenbahnlinie stehen. Hier ist die Baumpflege sehr aufwendig, ebenso die Überwachung, damit die Standsicherheit gegenüber der Bahn garantiert werden kann. Auf unserer Wanderung durch Bellinzona konnten wir weitere stattliche Bäume bewundern. Zum Beispiel die rund 250-jährige Platane auf der Piazza Rinaldo Simen. Auch haben wir mehrer wunderbare Exemplare von Zedern angetroffen. Insgesamt stehen etwa 3'500 Bäume in Bellinzona.
Ein weiteres wichtigesThema, welches Nicola Sartori beschäftigt, sind die Spielplätze. Die sechzig Kinderspielplätze stehen unter der Verantwortung von Stadtgrün. Davon werden vierzehn in diesem Jahr überholt und zwei komplett neu gebaut. Dafür stehen im rund vier Millionen Franken zur Verfügung.
Bellinzona verfügt über viele lauschige Plätzchen. Auf unserem Weg zum Seehundbrunnen kamen wir auch am Gemeindehaus von Bellinzona vorbei mit seinem schattigen Innenhof und der mit vielen Geranien geschmückt ist. Auch der vorgelagerte Nussbaum auf der Piazza del Nosetto spendet Schatten. Der besagte Seehundbrunnen ist ein Brunnen mit einer sechs Tonnen schweren Figur vom Bildhauer Remo Rossi und steht auf der Piazza Governo. Er wurde 1945 erstellt und wird zur Zeit, nach einer Beschädigung, generalüberholt. Sein Wasser soll im Juni 2025 wieder fliessen. Die Brunnenanlage steht in einer kleinen Grünanlage mit Bäumen und Rasen. Die Rasenfläche wird jetzt teilweise weniger gemäht. Mittels eines QR-Codes kann man nachlesen wie man mit dieser Pflegemassnahme die Biodiversität fördert.
Nach so vielen Fakten und Eindrücken war es Zeit für ein gemütliches Mittagessen. Dieses nahmen wir im Park der Villa dei Cedri ein.

Die "Villa dei Cedri" ist ein Landhaus aus dem 19. Jahrhundert mir einem wunderschönen Park, der über einen alten Baumbestand verfügt. Zwei Exemplare von Wollenia nobilis fühlen sich an dem Standort wohl.
Wir konnten die Kunstsammlung der Villa besuchen. Vorgängig erklärte uns aber noch Carole Hänseler, die Direktorin der Villa dei Cedri, die Geschichte und den Park des Landhauses. Sehr zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass das Museum die Kunst mit dem Park verbunden hat. Speziell ist hier die dreihundertfünfzig Jahre alte Buche zu erwähnen, die alle Stunde spricht und sagt wie es ihr geht. Die Ausstellung ist ausserordentlich sehenswert. Die Kunstsammlungen wurden von Einwohnern Bellinzonas zusammengetragen.
Es waren zwei ausserordentliche, interessante und vielfältige Tage in Bellinzona und Sorengo. Ganz herzlichen Dank noch einmal an Nicola Sartori und Gastone Boisco für die Vorbereitung dieses tollen Treffens und den vielen Eindrücken.
An dieser Stelle möchte ich noch unseren Sponsoren meinen herzlichsten Dank ausdrücken. Sie haben unser Regionaltreffen massgeblich unterstützt und ermöglicht. Es sind zu nennen die Firmen Hauert HBG Dünger AG; Grossaffoltern, vertreten durch Paul Koller, die Firma OHS Otto Hauenstein Samen, Oftringen, und die Baumschulen Kündig Ibach Schwyz.

Die Zedern am Piazzo Governo in Bellinzona.
Seite aktualisiert am 02.11.2025