2024 Mendrisio
Jahreskonferenz VSSG
Die 61. Jahreskonferenz der VSSG fand am 29./30. August 2024 in Mendrisio statt. Fast 90 Teilnehmende liessen sich von der etwas längeren Anfahrtszeit in den Tessin aus den nördlich der Alpen gelegenen Teilen der Schweiz nicht abhalten, und trafen schon Mittwoch abends oder Donnerstag morgens in Mendrisio ein. Die Reise lohnte sich: von historischen Parks bis zum grandiosen UNESCO-Welterbe gab es vieles zu entdecken.
Text von Stéphanie Perrochet, Fotos von Françoise Martinez, Stéphanie Perrochet und der Stadt Mendrisio


Auf dem Platz vor LaFilanda - öffentliche Bibliothek und Veranstaltungssaal - sammelten sich die Teilnehmenden. David Mutti (Mitte) und seine KollegInnen organisierten den reibungslosen Ablauf der Jahreskonferenz.
Willkommen in Mendrisio
Etwas später als gewöhnlich, um 10 Uhr 30, eröffnete der Präsident Axel Fischer die Versammlung in LaFilanda. Der Bürgermeister von Mendrisio, Samuele Cavadini, und die Stadträtin Nora Jardini Croci Torti begrüssten die Teilnehmenden. Beide betonten, dass die von der VSSG behandelten "grünen Themen" auch für die Stadt Mendrisio wichtige politische Aufgaben darstellen und freuten sich, nach vielen Jahren wieder die VSSG im Tessin willkommen heissen zu dürfen.

Samuele Cavadini (rechts) heisst die VSSG in Mendrisio willkommen.
Frau Jardini Croci Torti dankte besonders David Mutti, Leiter der Stadtgärtnerei, für die Zusammenstellung des interessanten Programms mit Fachbesuchen und Spaziergängen in und um die Stadt, und wünschten allen Teilnehmenden der Jahreskonferenz einen angenehmen Aufenthalt.

Die Kirche der Heiligen Cosmas und Damien im historischen Zentrum Mendrisios.
Generalversammlung
Der statutarische Teil der Generalversammlung konnte zügig abgewickelt werden, die Aufnahme von neun neuen Mitgliedern zeigte wieder, dass die Arbeit der VSSG von immer mehr Städten und Gemeinden als wertvoll erkannt wird. Im Vorjahr hatte der Vorstand zur Anmeldung von Kollegen für die Mitarbeit im Führungsgremium aufgerufen, besonders wurden Interessierte aus der Westschweiz oder dem Tessin gesucht. Axel Fischer informierte, dass der Vorstand seit dem Rücktritt von Daniel Oertli (Genf) seiner nach den Statuten bestehenden Verpflichtung zur Besetzung der Präsidenz und Vizepräsidenz mit Personen aus den unterschiedlichen Sprachregionen nicht nachkommen konnte. Dies ist auch jetzt nicht möglich. Erfreulicherweise stellten sich zwei Mitglieder aus der Ostschweiz für die Mitarbeit im Vorstand zur Verfügung. Die GV wählte Achim Schefer, Winterthur, und Adrian Stolz, St. Gallen, in den Vorstand.

Der sehr positive Jahresabschluss 2023 wurde einstimmig und mit Applaus verabschiedet, und ein anspruchsvolles Programm mit dem entsprechenden Budget leitet die strategische und zukunftsgerichtete Arbeit für 2025 ein.
Das detaillierte Protokoll der GV steht ab Februar 2025 im Mitgliederbereich der Website zur Verfügung.
Grünstadt Schweiz
Beim Jahres-Zwischenbericht der Projekte stellte Gastone Boisco die Landschaftsplanung und Grünpflege der Gemeinde Sorengo vor, die sich zur Zertifizierung für Grünstadt Schweiz (GSS) angemeldet hat.

Grün-blaue Vernetzung, Lebensqualität für die BewohnerInnen, Anpassung an den Klimawandel: die kleine Gemeinde Sorengo übernimmt Verantwortung im grossen Zusammenhang.

Sorengo führt seit drei Jahren eine breit gestützte Landschaftsplanung mit vielen Aktionen für mehr Grünflächen und eine wirkungsvolle Biodiversitätsförderung durch.
Die GSS-Zertifizierung sieht Boisco als einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer immer grüneren Gemeinde Sorengo.
Präsentation Grünstadt Sorengo (Italienisch) [pdf, 21.7 MB]
Nationale Projekte anderer Träger
Viele grüne Ämter sehen sich nicht nur als zuständig für ihre eigenen Flächen, sondern möchten die Biodiversität und Bodenqualität auf ihrem gesamten Gemeindegebiet verbessern. Dazu müssen die privaten Grünflächen mit einbezogen werden und die Vermittlung vertiefter Informationen zu verschiedenen Themen der Gartenpflege ist sehr nützlich.
Biologische Hilfsmittel für Haus- und Familiengärten - die Positivliste
Regine Kern Fässler, die am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) für die Bio-Zierpflanzen in der Forschung sowie Beratung und Bildung zuständig ist, stellte die «Positivliste» vor, sozusagen die kleine Schwester der Betriebsmittelliste.

Regine Kern Fässler berichtete über die Arbeit des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in Frick.
Das Forschungsinstitut erstellt die Betriebsmittelliste für Bio-Gärtner und Bio-Suisse Landwirtschaftsbetriebe sowie den Demeter-Anbau. Diese Listen enthalten Dünger, Substrate und Erden, aber auch Pflanzenschutzmittel und Desinfektionsmittel. Die Stoffe sind natürlich vom Bund zugelassen, aber das FiBL geht einen Schritt weiter, es prüft die gesamte Rezeptur. Für Gemeinden und Städte ist die Positivliste das passende Instrument um bei Privatbesitzern und Pächtern von Klein- und Hausgärten den biologischen Unterhalt zu fördern.
Die Arbeit des FiBL, Powerpoint-Präsentation Kern Fässler [pdf, 192 KB]
Die Positivliste bietet eine überschaubare Auswahl an Pflanzenschutzmitteln und Nützlingen für den Hausgarten, sie entsprechen im Vergleich zur Betriebsmittelliste zusätzlichen spezifischen Aufnahmekriterien: die Produkte müssen regional gut erhältlich sein und in kleinen Gebinden zur Verfügung stehen.
Website FiBL, Positivliste Kleingärten 2024
Die Positivliste für Haus- und Kleingärten wurde zu Beginn auf eine Initiative von Grün Stadt Zürich erarbeitet. Auch heute ist die Stadt noch Sponsorin, gemeinsam mit anderen Institutionen. Gerne werden weitere finanzielle Unterstützungen angenommen, die hier wie überall unabdingbar sind. Kern Fässler wirbt dafür, die Positivliste noch weiter zu verbreiten, bei Schulungen, Weiterbildungen oder wie es zum Beispiel die Städte Zürich, Luzern und Basel machen: sie verpflichten ihre Kleingarten-Pächter nur Mittel der Positivliste zu verwenden.
Biodiversität. Jetzt!
Die nationale Initiative «Biodiversität. Jetzt!», welche naturnahe Flächen im Siedlungsraum fördern möchte, wurde von Birdlife Schweiz gemeinsam mit der Organisation «PUSCH – Praktischer Umweltschutz» lanciert. Die geplanten Aktionen zur Förderung der naturnahen Flächen im Siedlungsraum richten sich besonders an die Bevölkerung. Für das letzte Drittel der Trägerschaft wird noch eine Institution aus der Forschung gesucht. Es ist wichtig zu wissen, dass es sich dabei nicht um eine politische Aktion handelt.

Diana Marti berichtet: Die Wissenschaft zeigt eindeutig, dass es der Biodiversität in der Schweiz schlecht geht, dieses Wissen aber noch nicht in ihrer ganzen Bedeutung in der Bevölkerung angekommen ist.
Die Initiative wird eine breite Öffentlichkeitsarbeit starten (Werbung, Plakate, Flyer, Beiträge in traditionellen und sozialen Medien, auch durch InfluencerInnen). Ihr zweites Standbein soll eine Kompetenzplattform sein, welche die vielen schon bestehenden tollen Angebote bündelt. Auf der Plattform können professionelle Anwender (Landschaftsarchitekten, Hauswarte) und private Nutzer (Gartenbesitzer, Kleingartenpächter) spezifische Informationen zur Biodiversitätsförderung in ihren Tätigkeitsbereichen finden.
Die dritte Schiene ist die Mitmach-Aktion, bei der Privatpersonen, die eigene Flächen haben, angeregt werden bei der Biodiversitätsförderung mitzumachen, oder, wenn sie keine eigenen Flächen haben, zum Beispiel an ihre Gemeinde oder ihren Vermieter zu schreiben. Es soll auch einen Flächen-Konfigurator geben, wo Leute ihren Wohnort und die zur Verfügung stehenden Flächeninformationen eingeben können und der ihnen anschliessend Tipps gibt, was sie dort machen könnten. Die Aktionen werden in allen Landessprachen und -teilen durchgeführt. Schöne Bilder und gute Beispiele sollen den Leuten Mut machen ihre Aktionen beizusteuern.
Die Gründer haben 2020/21 mit ersten Teilprojekten und Studien angefangen, die Initiative soll bis 2028 laufen. Das Gesamtbudget beträgt 9 Millionen Franken, von denen bisher 3 Millionen zusammengetragen wurden, davon der grösste Teil durch Stiftungen. Jeder Partner kann das Projekt mit seinen Möglichkeiten weitertragen. Es ist innovativ und findet schweizweit statt. Der Verein hofft, dass Städte und Gemeinden sich einbringen, um gemeinsam eine grosse Wirkung zu erzeugen.
Präsentation Biodiversität.Jetzt ! (Powerpoint Marti) [pdf, 8.3 MB]
Website Biodiversität. Jetzt! (Birdlife)
Grünflächen in Mendrisio
Mendrisio liegt auf direkter Linie zwischen Zürich und Mailand in der atemberaubend schönen Landschaft des Luganersees, des Monte Generoso und des Monte Giorgio.

Mit 32 Quadratkilometer Fläche ist Mendrisio eine kleine Stadt, die trotzdem ausgedehnte Grünflächen, Baumpflanzungen sowie Landschaftsflächen von nationaler Bedeutung aufweist.
Die von Mario Botta gegründete Architekturhochschule ist der Mendriso-Campus der Università della Svizzera italiana.
GIS-gestütztes Grünflächenmanagement
Die Stadt hat sich für ein GIS-gestütztes Grünflächenmanagement entschieden. Giorgio Benicchio stellte das von ihm entwickelte System R3GIS/Greenspaces vor. Dabei sind drei Aspekte besonders wichtig: Effizienz und sparsame Anwendung von Ressourcen, Sicherheit (speziell bei Bäumen und Kinderspielplätzen) und die Anpassung an den Klimawandel. Wie wir alle wissen, sind Bäume und Grünflächen die «Klimaanlagen» der Städte. Benicchio zeigte die digitalisierte Darstellung am Beispiel der Villa Argentina, die die Teilnehmenden später auch noch besuchten.

R3GIS/Greenspaces gibt einen Überblick über Flächengrössen und -profile und erlaubt die genaue Planung des Unterhalts.
Die vom System zur Verfügung gestellten Informationen erleichtern es, den Unterhalt extern zu vergeben, oder die eigenen Mitarbeiter gezielt einzusetzen, die Durchführung der Arbeiten zu kontrollieren und die Kosten zu kennen. Die Archivierung sichert die Gemeinde rechtlich ab und ermöglicht es, alle Eingriffe zurückzuverfolgen
Bekämpfung des Japankäfers
Am Sportplatz Mendrisios zeigten uns Mitarbeitende, welche Mittel sie im Kampf gegen den gefährlichen Japankäfer Popilius japonica einsetzen. Die invasive Art ist schon seit mehreren Jahren im Tessin vorhanden. Auf der Nordseite der Alpen wurde er bisher nur vereinzelt gefunden, ist aber langsam auf dem Vormarsch. Die Verbreitung erfolgt über Pflanzentransporte und Reisende, die neuen Lebensräume sind auch dem Klimawandel geschuldet.

Das Aufstellen von Fallen dient der Überwachung der Käfer-Populationen, um gegebenenfalls schnell eingreifen zu können.
Bekämpfung der Tigermücke
Auf dem Vorplatz der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI), zeigten uns die Mitarbeitenden des "Schweizerischen Mückennetzwerks" die in Mendrisio eingesetzten Mittel gegen die Tigermücke Aedes albopictus. Die Verbreitung dieser gefährlichen, zunehmend auftretenden Art, die zum Beispiel Malarie und das Dengue-Fieber verbreiten kann, ist im Tessin dem mediterranen Klima geschuldet.

Wie für den Japankäfer gilt auch für die Tigermücke: ihre Verbreitung südlich der Alpen ist weit fortgeschritten, nördlich der Alpen ist die Art langsam im Vormarsch.
Das Bundesamt für Umwelt empfiehlt heute schon Vorsichtsmassnahmen in allen Schweizer Städten und Gemeinden. Besonders geht es darum, die Bildung von dauerhaften, kleinen, stehenden Wasseransammlungen zu verhindern. Dort wachsen die Larven der Tigermücke auf.


Die Tessiner wenden einen kugelförmigen Einsatz im Wasserabflusssammler an, um den Zugang der Mücken zu stagnierendem Wasser zu verhindern.

Der Einsatz von biologischen oder chemischen Bekämpfungsmitteln ist noch umstritten. Er kann zur Zeit nur bei hohen Vorkommen der Tigermücke verantwortet werden und muss sehr gezielt erfolgen.
Bekämpfung invasiver Neophyten in Kastanienwäldern
Die Kastanienwälder, dominiert von Castanea sativa, gehören zu den landschaftlichen Besonderheiten des Tessins. Sie werden durch den Klimawandel stark beansprucht, und sind auch dem Einfall invasier Neophyten ausgesetzt (Japanischer Knöterich, Kirschlorbeer, Hanfpalmen, usw.). In den Wäldern von Mendrisio werden diese Arten durch mechanische und chemische Eingriffe bekämpft.


Die meisten invasiven Neophyten können durch Schneiden und Roden bekämpft werden, chemische Mittel sind die Ausnahme. Beim Japanischen Knöterich kommt auch das unterirdische "Verbrennen" durch Elektrizität zum Einsatz.
Bildergalerie: invasive Neophyten im Wald
Der Park der Villa Argentina
Dieser grosszügige «Garten der Ideen im Herzen der Stadt“ wurde mit Hilfe eines umfassenden partizipativen Prozesses geschaffen und steht für Veranstaltungen aller Art und ein vielfältiges Publikum zur Verfügung. Der Respekt der Umwelt, sowie der kulturellen und architektonischen Geschichte der Gesamtanlage waren bei der Gestaltung wichtige Aspekte.
Das Markenzeichen des Parks sind seine ehrwürdigen Baumriesen und grossen Rasenflächen, sowie das historische Gebäude, dessen Privatgarten der Park ursprünglich darstellte.


Die Villa Argentina wurde 1873/74 von dem Architekten Antonio Croci für die Familie von Giovanni Bernasconi entworfen und gebaut.
In dem Park wendet Mendrisio das Konzept Smart Irrigation an, welches eine bedarfsgerechte und ressourcenschonende Jungbaumbewässerung leistet. Durch regelmässige Feuchtigskeitsmessungen mit Bodensensoren in Verbindung mt einer zentralen Steuerung der Bewässerung können Trockenheitsschäden bei den in der Anwachsphase besonders sensiblen Jungbäumen vermieden werden. Das Unternehmen Matthias Brunner entwickelte eine App, die den optimalen Bewässerungszeitpunkt berechnet.


Simon Hepner (im Bild) erläutert die Messdatenauswertung mit dem System "Smart Irrigation".
Galadinner am Donnerstag Abend
Wer in Mendrisio gut essen gehen möchte, hat an der im östlichen Teil der Stadt gelegenen Viale alle Cantine - mit fantastischem Ausblick auf die Region - die Qual der Wahl. Für das Galadinner waren die Teilnehmenden auf die grosszügige Terrasse der Cantina Valsangiacomo eingeladen, vor dem gerade renovierten historischen Gebäude des gleichnamigen Weinhandels.




Das ausgezeichnete Essen, die Weine und eine musikalische Begleitung durch traditionelle Instrumente und Gesang liessen den Abend wie im Fluge vergehen.
Ca.Stella Farm in Meride
Freitag morgens begaben sich die Teilnehmenden zum Projekt Ca.Stella Farm in Meride. Es handelt sich um ein Sozialprojekt mit biologischem Landbau, wo Gruppen (auch Jugendliche oder Kinder), Familien und Personen mit besonderen Bedürfnissen Ferien oder längere Aufenthalte verbringen können. Die schönen historischen Gebäude erzeugen eine besondere Atmosphäre. Der Camping del Monte San Giorgio liegt in die Landschaft eingebettet wie eine alte Nomadensiedlung. Die Marke Ca.Stella Farm umfasst den Landwirtschaftsbetrieb mit den Tieren, die Camping-Anlage und die Naturküche.


Wäldchen und Wiesen mit Lamas, Schafen, Kaninchen und anderen Tieren, um die sich die Kindergruppen gerne kümmern.

Adrian Stolz (links), neu gewähltes Vorstandsmitglied. Rechts, zur Kamera gewandt: Lionel Guichard, Stanley Mathey und Stéphane Grand.

Das Organisationsteam stellte an allen Stationen einen ausreichenden Sonnenschutz und viel Wasser zur Verfügung.

Der Maulbeerbaum, Morus alba, schon im 8. Jahrhundert zur Seidenproduktion aus China eingeführt, wird heute zu den im Tessin beheimateten Arten gezählt, er ist dort weit verbreitet.

Natacha Guillaumont, langjähriges Vorstandsmitglied und Verantwortliche der Ausbildung für Landschaftsarchitekten an der HEPIA in Genf.
Die Steinbrüche von Arzo
Die Steinbrüche befinden sich auf dem Monte San Giorgio, dessen Landschaft, Steinbrüche und Geotop als UNESCO-Welterbe anerkannt sind. Die beeindruckende Region weist dieses ganz spezielle Geotop und unterschiedliche Biozönosen auf. Verschiedene didaktische Wege ermöglichen es den Besuchern die Gesteine mit ihren archeologischen Einschlüssen und geologischen Besonderheiten, sowie viele verborgene Orte und paläontologische Schätze zu entdecken.
Wir durften eine Führung im ehemaligen Steinbruch geniessen.

Vortrag zur geologischen Entstehung und über den Abbau des rot-bunten Arzo-Marmors, der im Dom von Mailand und im Dom von Como sowie weiter im Norden und Westen Europas bis nach Warschau verwendet wurde.

Der Marmor ist geologisch gesehen ein Naturbeton, ein polychromes Sedimentgestein, das auf dem Meeresgrund des grossen Ozeans zwischen dem afrikanischen und dem europäischen Urkontinent entstand.

Die Bedeutung der Steinbrüche von Arzo ist seit langem international anerkannt. Der Beginn des Bergbaus in dieser Region geht auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurück (Architekturepoche der Gotik).

Die Arbeit in den Steinbrüchen war sehr hart, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden der Fels nur mit schweren Hämmern, Meisseln, Hebeln und Eisenkeilen von Hand gewonnen. Auch die Weiterverarbeitung erfolgte vor Ort.

Im Ausstellungsraum "Antico Laboratorio" (historische Werkstatt) besuchen, sind Werkzeuge der damaligen Steinbrucharbeiter und Steinmetzer sichtbar. Eine kleine Fotoausstellung zeigt dort einige der 200 Menschen, die in den vielen kleinen Steinbrüchen dieser Gegend bis 1912 beschäftigt waren.
Der aus dem Poncione d'Arzo am Monte San Giorgio gewonnene Stein fand zahlreiche Abnehmer. Der Abbau hat Krisenmomente durchlebt, und es hat Zeiten gegeben, wo die Menschen der Region in die anderen Teile der Schweiz, nach Frankreich oder nach Amerika auswandern mussten, um Arbeit zu finden. In den 1920ger Jahren, nach der durch den Ersten Weltkrieg bedingten Betriebseinstellung, kam es dank der Firmen Luigi Allio & figli und Rossi+Ci. zu einer Wiederaufnahme der Arzo-Marmor-Gewinnung mit neuen Maschinen, die aus den Carrara Steinbrüchen importiert wurden.


Die Firma Rossi+Ci., die bis 2009 noch sechs Generationen im Steinbruch aktiv war, führte dann weitere Maschinen zur Gewinnung und Verarbeitung von Marmor ein und baute auf der gegenüberliegenden Seite des Flüsschens Gaggiolo eine grössere Werkstatt. Fortlaufende Modernisierungen machten die Förderung der Steine einfacher und schneller.

Felix Guhl, Präsident der VSSG von 2012 bis 2020 und Florian Brack, sein Nachfolger als Leiter von Stadtgrün Schaffhausen.
Ein im anstehenden Stein erstelltes Amphitheater dient grossen Vorstellungen, Festen und Versammlungen.


Die "Ausstellungsmauer" zeigt die ganz unterschiedlichen Sedimentgesteine mit ihren paläontologischen Einschlüssen.

An der Schnittfläche erscheinen, wie gezeichnet, die im Stein eingeschlossenen Fossilien.

Unterschiedliche, ineinander geflossene und verdrückte Sedimente sind im Marmor sichtbar.
Nach dem Besuch des Steinbruchs begaben sich die Teilnehmenden zur Area di Svago, eine benachbarte Freizeiteinrichtung im Wald, um dort das Mittagessen einzunehmen.


UFA-Samen berichtet über die artenreiche Begrünungsmischung "Wildsamen" mit CH-Ökotypen für die verschiedenen Regionen der Schweiz. Mit ihrer über 30-jährigen Erfahrung stellt die Firma für spezifische Standorte Samenmischungen zusammen.

Monica Maggi Tschui und Marisa Cossi kümmerten sich um unser Wohlergehen.
Der Park des Museums Vincenzo Vela
Das vom Bundesamt für Kultur betriebene Museo Vela ist eines der wichtigsten europäischen Künstlerhäuser des 19. Jahrhunderts. Der restaurierte, wunderbare Park des Museums ist während der Monate, in denen das Museum geöffnet ist, ebenfalls für Besucher zugänglich. Sein Garten ist ein Musterbeispiel für einen Villengarten der Mitte des 19. Jahrhunderts.


Beide Bilder oben zeigen den auf der östlichen Seite des Künstlerhauses gelegene Parkteil mit seiner prägenden Topographie.
Der Park ist in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt: einen repräsentativen Teil im Süden, einen privaten Teil mit Gewächshaus, einen Gemüse- und Obstgarten sowie einen extensiven Teil mit ausgedehnter Wiese und einem Weiher.

Die mit Blauregen (Wisteria sinensis) bewachsene Laube im privaten Parkbereich bietet wohltuenden Schatten.
Die ursprünglichen Charakteristika des Parks wurden in den letzten Jahren - seit Erstellung des Parkpflegewerkes 1995 - dem Originalzustand wieder näher gebracht. Insbesondere die in Richtung des Dorfes Ligornetto abfallende italienische Gartenanlage wurde als denkmalschützerisch wertvoll anerkannt, sowie die Topographie der grossen, sanft abfallenden englischen Wiese und das Kastanienwäldchen auf der Nordseite der Villa.

Der Blick auf die Villa von Süden. Die symmetrische Gestaltung mit Formschnitt-Gehölzen, Blütensträuchern und einer zentralen Skulptur entstanden nach der Erstellung des Parkpflegewerkes.

Auf der Südseite des Museumparks ist der Ort Ligornetto sichtbar.
Der im nördlichen Bereich gelegene natürliche Weiher war zu Lebzeiten des Künstlers ein echter kleiner See. Der Park besitzt heute überdies einen interessanten Kamelien-Hain, von deren Arten viele sonst nur in botanischen Gärten zu finden sind, sowie eine Zitrusgewächs Plantage mit seltenen Zitronenbaumarten.

Die Zitrusbaumplantage neben den Weingärten erinnert an historische Gartennutzungen.

Hanfpalmen (Trachycarpus fortunei) wurden aus gartendenkmalpflegerischen Gründen wieder im Park angesiedelt. Die Gärtner treffen besondere Schutzmassnahmen um die invasive Art an der Ausbreitung zu hindern.
Der Park des Museums Vela und die Bekämpfung invasiver Arten [pdf, 1.4 MB]
Die Teilnehmenden hatten nicht nur die Möglichkeit die Parkanlage zu begehen, sondern waren auch in das Museum eingeladen, wo viele beeindruckende Skulpturen des italienisch-schweizerischen Künstlers Vincenzo Vela (1820-1891) ausgestellt sind. Zahlreiche andere dort gezeigte Objekte bringen den Besuchenden die Epoche seines Schaffens näher.

Achim Schefer, 2024 neu gewähltes Vorstandsmitglied aus Winterthur, im Museum Vincenzo Vela.
Abschluss der Jahreskonferenz
Zum Abschlusskaffee in der Gartenanlage dankte der Präsident der VSSG noch einmal dem ganzen Team von Mendrisio und besonders David Mutti und Monica Maggi Tschui für die Organisation der Jahreskonferenz. Die Teilnehmenden konnten viele interessante Informationen, neue Eindrücke und die Erinnerung an ein besonders schönes Tessiner-Ambiente mit nach Hause nehmen.



Programm der Jahreskonferenz
Jahreskonferenz, Programm Mendrisio 2024 [pdf, 5.6 MB]
Wir bitten unsere Mitglieder, die Sponsoren zu berücksichtigen
Seite aktualisiert am 02.02.2025