Regionaltreffen Mendrisio 2022
Die Stadtgärtner der Zentralschweiz und Tessin trafen sich in diesem Jahr am 10. Juni in der Südschweiz. Die vielfältigen Grünanlagen wie auch die Umgebung von Mendrisio waren dabei ein Thema.

In diesem Jahr traf sich die Regionalgruppe tief im Süden der Schweiz. David Mutti von Mendrisio war Gastgeber für unser Regionaltreffen. Hier im Mendrisiotto war in den letzten Jahren allerhand Betrieb. Zehn Dörfer wurden eingemeindet und die Industrie wuchs stark. Die Stadt hat jetzt fünfzehntausend Einwohner und dreissigtausend Pendler kommen jeden Tag in die Stadt.
Am ersten Tag stand der Besuch des grossen Naturschutzgebietes Pre Murin in Ligornetto an. Im Tessin gibt es insgesamt 450 Naturschutzgebiete. Dieses hier ist sehr speziell: es umfasst 54 Flachmoore ist von nationaler Bedeutung. Mirko Sulmone, vom kantonalen Amt für Umweltschutz erklärte uns das ganze Gebiet. Dieses wurde auch sogleich in einer ausgedehnten Wanderung begutachtet. Die Stadtgärtner von Mendrisio sind ebenfalls in die Pflege des Naturschutzgebietes integriert. Speziell die Pflege der Hangmoore, die es hier gibt, obliegt Mendrisio. Diese spezielle Art von Mooren wird alle zwei bis drei Jahre gemäht. Hier in dem Gebiet leben auch noch die ausserordentlich seltenen Braunfrösche und der Dalmatinerfrosch (Springfrosch). Diese zwei Froscharten kommen sonst nur noch in der Lombardei und Slowenien vor. Sie benötigen feuchte Wälder. Auch die europäische Sumpfschildkröte existiert noch hier.
Im Tessin werden die Winter immer wärmer. Das heisst, in diesem Naturschutzgebiet wird der Kampf gegen invasive Pflanzen zunehmend aufwendiger. Vor allem die Hanfpalme profitiert von dem warmen Klima und breitet sich noch weiter im Naturschutzgebiet aus. Zu erwähnen ist noch, dass die Niederschlagsmenge gleich geblieben ist. Die Trockenperioden werden aber immer länger und dann kommt es zu heftigen Niederschlägen, welche Erdmaterial auf die Flachmoore schwemmen. Dieses muss dann natürlich wieder aufwendig entfernt werden.
Nach dieser Wanderung folgte sogleich die nächste. Wir machten uns auf den Weg nach Tremona. Hier auf einer Anhöhe liegen die Ruinen eines kleinen mittelalterlichen Dorfes. Für die Besichtigung wurden wir mit 3D Brillen ausgerüstet. Mit dieser 3D Animation sahen wir wie das Dorf einmal aussah und sich das Leben der Menschen abspielte. Der Ort ist auch sehr gut gelegen. Bei schönen Wetter sieht man bis nach Mailand. Die Pflege dieser alten Siedlung steht auch im Pflichtenheft von David Mutti und seiner Gärtner.
Das Mittagessen wurde in einem kleinen gemütlichen Lokal in Arzo eingenommen. Das Lokal bot auch gleich Gelegenheit für die anschliessenden Fachreferate. Die Firmen "Green" und "R3 GIS", Grünflächenkataster, präsentierten uns ihre Produkte und stellten sich unseren Fragen.
Anschliessend ging es wieder in die Stadt. David präsentierte uns bei einer Stadtbegehung Grünanlagen, die er pflegt. Hierbei ist speziell der historische Park der Villa Argentina zu nennen. Die Bevölkerung trifft sich sehr gerne in dieser Grünanlage zu der eine wunderschöne Villa gehört. Hier stehen auch einige dendrologische Spezialitäten.

Ebenfalls sind hier die grossen Rosenrabatten zu nennen. Es stehen über funfhundert Rosen der Sorte "Montana" im Park. Ein spezieller Aufwand wird auf der Piazza del Ponte betrieben. Dieser Platz ist durch den Abriss eines Hauses entstanden und befindet sich unterhalb einer prächtigen Kirche. Damit nicht alles so trist und grau ist, hat David Mutti Bäume in grosse Töpfe gepflanzt und Sommerflor in spezielle Europaletten. Und damit das Ganze nicht langweilig wird, werden Töpfe und Paletten einmal im Monat umgestellt. Auch der Sommerflor wird in Mendrisio sehr gepflegt. Trotz der grossen Hitze hielten sich die Pflanzen prächtig.
Bei unsere Stadtwanderung bewunderten wir auch noch einen kleinen Edelkastanien-Wald, der in der Pflege der Gärtner steht. Der Gemeinderat Mendrisio hat weitere Flächen gekauft, welche jetzt gepflegt werden müssen. Interessante Dinge konnten wir bewundern, die man in Mendrisio vielleicht nicht vermuten würde. Oftmals fährt man an Mendrisio leider nur vorbei und beachtet seine schmucken Seiten nicht.
Nach so viel Sehenswertem wurde es doch dann Zeit für eine Erfrischung. Wir waren in eine grosse Weinkellerei zur Besichtigung und Degustation geladen. Diese Kellerei nimmt eine wichtige Stellung im Mendrisiotto ein. Sie kauft ihr gesamtes benötigtes Traubengut in den umliegenden Rebbergen und sorgt somit dafür, dass diese weitergeführt werden. Anschliessend wurde in einem Tessiner Restaurant ein typisches Nachtessen eingenommen. Und so klang der erste Tag gemütlich aus.
Der zweite Tag begann mit stärkendem Kaffee und Gipfeli. Denn das Programm ging auch am zweiten Tag weiter. Wir verschoben uns an den Bahnhof Monte Generoso. Von hier brachte uns eine kleine orange-blaue Bahn auf den besagten Berg. Es ist zu sagen, dass der Monte Generoso zum grössten Teil auch zu Mendrisio gehört. Bei der beschaulichen Fahrt auf den Berg zeigte mir David die Stellen an denen die Stadtgärtnerei in diesem Winter Aufforstungen vornehmen werden. David und seine Mannen haben wirklich einen ausserordentlich vielseitigen Job. Ausserdem zahlt die Gemeinde Mendrisio eine bedeutende Summe an diverse Kooperationen um die Aufforstung voranzutreiben.

Auf dem Berg angekommen präsentierte sich die "Bergblume" (Fiore di Pietra) wie der deutsche Name der Bergstation lautet, in voller Schönheit. Der Bau wurde vom Stararchitekten Mario Botta verwirklicht und ersetzte ein altes Hotel aus dem 19. Jahrhundert.
Bei einem Spaziergang erkundeten wir die Umgebung und die Pflanzewelt. Die Begehung führte uns auch auf den Gipfel des Berges. Die Aussicht war atemberaubend. Leider wollten sich aber die berühmten wilden Pferde vom Monte Generoso partout nicht zeigen. Nichts desto Trotz genossen wir ein köstliches Mittagessen und bewunderten die grandiose Landschaft ... und liessen die Seele baumeln. Bis dann die Rückfahrt ins Tal unser Regionaltreffen hier im Tessin beendete.

Es waren zwei ausserordentliche, wunderschöne Tage in Mendrisio. Vielseitig, mit vielen neuen Eindrücken, die uns David Mutti näherbrachte (siehe Foto oben). Auch Gabriele Martinenghi gilt mein Dank. Er war ebenfalls massgeblich am Gelingen unseres Anlasses beteiligt. Tausend Dank noch einmal für euren grossen Einsatz.
Pirmin Frey, Obmann Regionalgruppe Zentralschweiz/Tessin
Seite erstellt am 17.10.2022