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2021 online

Jahreskonferenz VSSG

Bericht von Stéphanie Perrochet

Die 58. Jahreskonferenz und Generalversammlung (GV) der Vereinigung fand 2021 als Videokonferenz statt, da zu Beginn des Jahres noch nicht abzusehen war, ob ein Treffen mit physischer Präsenz im August möglich sein würde. Der Vorstand und die Geschäftsstelle organisierten eine eintägige online Veranstaltung, wobei der Vormittag für die statutarischen Geschäfte sowie die Zwischenberichte aus Vorstand und Arbeitsgruppen reserviert war. Nachmittags gab es drei Vorträge zum Thema "Anpassung an den Klimawandel".

Statutarische Geschäfte und Mitteilungen

Daniel Oertli, Präsident der VSSG, begrüsste die Teilnehmenden und bedauerte, dass die Jahreskonferenz schon zum zweiten Mal nicht auf traditionnelle Weise mit einem zweitägigen Treffen in einer Mitgliedergemeinde und den entsprechenden Fachbesuchen gehalten werden konnte. Diese eintägige Online-Veranstaltung kann keinesfalls die persönlichen Kontakte zwischen den  Mitgliedern ersetzen. Oertli drückte seine Zuversicht aus, dass 2022 die Versammlung wie geplant in Bern stattfinden kann. Präsentation Jahreskonferenz 2022 [pdf, 16.8 MB]

Die statutarischen Geschäfte wurden zügig abgehandelt, es ging wie gewohnt um die Genehmigung des Jahresberichtes, des Protokolls der GV sowie der Bilanzen 2020, einschliesslich Grünstadt Schweiz (GSS), und den Beschluss des Budgets 2022. Vorstandswahlen standen dieses Jahr nicht an. Daniel Oertli und Yvonne Aellen informierten, dass sie zum Ende 2022 aus dem Vorstand zurücktreten werden, da sie in den vorgezogenen Ruhestand gehen. Oertli verlässt deswegen seine Funktion als Verantwortlicher des Amtes für Grünflächen (SEVE) in Genf und Aellen tritt als Mitglied der Geschäftsleitung der Stadtgärtnerei Basel und dortige Verantwortliche des Grünflächenunterhalts zurück. Für die VSSG bedeutet dies, dass an der GV 2022 mindestens zwei, besser sogar drei neue Vorstandsmitglieder gewählt werden müssen, damit die Aufgaben des Vorstands optimal wahrgenommen werden können.

Stéphanie Perrochet, Gechäftsführerin VSSG, berichtete über das im 2021 angepasste Pflichtenheft der VSSG-Organe. Die vorige Fassung war seit 2010 in Kraft. Cornel Suter, Leiter des Ressorts Kommunikation und Leiter von Stadtgrün Luzern, zeigte das neu erstellte Image-Leporello, und bittet die Regionalgruppen und Arbeitsgruppen davon grosszügig für das Bekanntmachen der VSSG Gebrauch zu machen. Die Geschäftsstelle sendet den Mitgliedern auf Anfrage die gewünschte Anzahl von Exemplaren kostenfrei zu. Yvonne Aellen stellte das Handbuch Regionalgruppen vor, welches nach einem Austausch mit den Regionalgruppenleiter-innen erstellt wurde. Es kann den Verantwortlichen helfen, einen lebendigen, fachlich interessanten Austausch in der Region zu organisieren. Das Handbuch ist im Mitgliederbereich der Website VSSG verfügbar.

Grünstadt Schweiz entwickelt sich

Markus Weibel, Vorstandsmitglied VSSG, Leiter der Kommission GSS und Leiter Stadtgrün Thun, berichtete über die derzeitigen Herausforderungen für das Label. Nach dem Abschluss der in 2020/2021 durchgeführten Optimierungen, zu der auch die Straffung des GSS-Massnahmenkatalogs von 60 auf 40 Massnahmen zählt, wird zur Zeit das Monitoring durchgeführt. Dessen Ergebnisse beeinflussen die weitere Entwickung des Labels, insbesondere was die Öffentlichkeitsarbeit angeht. Zudem muss für die GSS-Geschäftsstelle für Beginn 2023 eine neue Besetzung gefunden werden. Im 2022 werden auch zusätzliche GSS-Berater ausgebildet, die den Städten und Gemeinden helfen, sich auf die Zertifizierung als Grünstadt vorzubereiten. Diese Beratungstätigkeit darf in Zukunft nicht mehr von dem die Geschäftsstelle führenden Büro geleistet werden, und sie ist selbstverständlich auch unabhängig von den vor der Labelvergabe durchgeführten Auditionen. Die Finanzierung des Labels wird weiter grösstenteils vom Bundesamt für Umwelt getragen.

Cornel Suter, Beauftragter des VSSG-Vorstands und der Kommission GSS für die Verhandlungen mit BioSuisse, berichtete über die laufenden Vordiskussionen zu einer Zusammenarbeit mit diesem Label. BioSuisse zertifiziert gärtnerische und landwirtschaftliche Bio-Produktionsbetriebe und hatte sich am Anfang des Jahres an GSS gewendet, um die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit auszuloten. Beiderseits wird die Qualität und Komplementarität der beiden Zertifizierungen anerkannt. Ob und wie eine Zusammenarbeit zustande kommt, wird 2022 von den Trägern der beiden Label beschlossen werden.

Thematische Berichte von der Arbeit der Gruppen

Der umsichtige Umgang mit Pflanzenschutzmitteln wird von der VSSG seit Jahren gefordert. Dazu gehört das Führen von Statistiken und eine vertiefte Analyse der häufig verwendeten Mittel. Auch biologische Produkte oder Nützlinge können Schaden anrichten, wenn sie unbedacht verwendet werden. Informationen dazu gibt das Merkblatt Pflanzenschutz. [pdf, 1.4 MB]. Françoise Martinez, Grünflächenamt Neuenburg, berichtete vom Einstieg der Stadt in die Nutzung dieses VSSG-Tools Datenbank Pflanzenschutz (BEP). Präsentation Neuenburg: Wozu dient das BEP? (fr) [pdf, 17.2 MB].

Stefan Brunner, Produkteverantwortlicher der Friedhöfe, Sport- und Badeanlagen bei Grün Stadt Zürich und Leiter der VSSG Arbeitsgruppe Friedhöfe berichtete über die im September bevorstehende Durchführung des Tag des Friedhofs 2021. Trotz der schwierigen Bedingungen durch die Pandemie kündigten 11 Gemeinden in der Deutschschweiz und eine in der Romandie ihre Teilnahme an. Brunner hofft für 2022 weitere Gemeinden und Städte zum Mitmachen an diesem "Tag der offenen Türen der Friedhöfe" gewinnen zu können. Präsentation Brunner: Tag des Friedhofs. [pdf, 27.1 MB]. Bericht vom Solothurner Tag des Friedhof 2021.

Die Verkehrssicherheit von Bäumen ist ein wichtiges Thema beim Unterhalt dieser entscheidenden Elemente für die Biodiversität und die Anpassung an die Klimaveränderungen. Die Arbeitsgruppe Bäume, vertreten durch Peter Kuhn, Leiter des Baumkompetenzzentrums in Bern und Fritz Bächle, Baumsachverständiger in Luzern, informierte über die von den Gemeinden durchzuführenden Baumkontrollen. Janis Willuweit, Grün Stadt Zürich, und VSSG-Delegierter bei der VSS, leitete die Erarbeitung des zu Beginn des Jahres erschienenen Merkblatt Baumkontrolle [pdf, 1.6 MB]. Präsentation AG Bäume: Verkehrssicherheit durch Baumkontrollen [pdf, 3.8 MB].

Anpassung an den Klimawandel

Der Nachmittag der Jahreskonferenz war einem hochaktuellen Thema gewidmet: Wie können sich die stark besiedelten Gebiete der Schweiz an den kommenden Klimawandel anpassen? In vier Wirkungsbereichen lassen sich die Veränderungen heute schon messen: häufigere Starkniederschläge, längere Trockenheitsperioden, und zunehmende Hitzeextreme, sowie Schneearmut. Städte sind besonders von den drei erstgenannten Wirkungsbereichen betroffen.

Der Berner Stadthitze auf der Spur

Moritz Burger, Doktorand am geographischen Institut der Universität Bern und am Oeschger Center for Climate Change Research berichtete über die in der Stadt Bern durchgeführten Messungen und erläuterte seine Forschungsergebnisse. Die charakteristische Gestaltung der Städte mit einem hohen Versiegelungsgrad des Bodens und ihrer weiter zunehmenden Bebauungsdichte verstärken die Auswirkungen der neuen Hitzeextreme. Zudem können Pflanzen im wenig tiefgründigen Boden der Siedlungsgebiete die häufiger werdenden Trockenperioden nur schlecht überstehen. Gerade aber die mit Bäumen ausgiebig bepflanzten Räume und natürlich grössere Wasserflächen (in Bern zum Beispiel die Aare) tragen dazu bei, die "Hitzeinsel Stadt" für den Menschen erträglich zu machen. Ein dem Klimawandel angepasster "grüner Städtebau" kann dabei die Anzahl der ungesunden Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, deutlich verringern.  Präsentation: Chasing the Heat [pdf, 12.7 MB]. Die Stadtklimagruppe des Geographischen Instituts der Universität Bern entwickelte den interaktiven Hitzespaziergang Bern, der an den Hot- und Coldspots der Stadt entlang führt.

Eine Begrünungsstrategie für Chêne-Bougeries

Natacha Guillaumont, Vorstandsmitglied VSSG, Professorin und Verantwortliche des Fachbereichs Landschaftsarchitektur an der Fachhochschule Genf (HEPIA), trug die Ergebnisse der "Begrünungsstrategie für Chêne-Bougeries" vor. Die Studie war von ihrem Fachbereich im Auftrag der Gemeinde Chêne-Bougeries erarbeitet worden. Sie soll der Gemeinde ermöglichen, innerhalb von 10 Jahren mindestens 1000 Bäume neu zu pflanzen. Dieser so positiv klingende Wunsch ist nicht einfach zu erfüllen, denn wo sollen denn die vielen Bäume gepflanzt werden? In die von Leitungen unterbauten Trottoirs? In die offenen Flächen der Parks, die für ein angenehmes Ambiente so wichtig sind? Die Herausforderung bestand darin, eine Bepflanungsstrategie zu entwickeln, die sowohl quantitative wie qualitative Aspekte berücksichtigt. Drei Standorttypen wurden definiert: lineare Strukturen, punktförmige Flächen und grosse offenen Flächen. Eine Feststellung der Studie trifft wohl auch für die meisten anderen Gemeinden und Städte zu: Ohne die privaten Grundstücke einzubinden, kann das Ziel nur schwer realisiert werden. Zu den originellen Vorschlägen der Studie gehört zum Beispiel die Schaffung von Sommer- und Wintertrottoirs: indem einseitig das Trottoir unbepflanzt bleibt, und damit auch besser schneegeräumt werden kann, wird das gegnüberliegende Trottoir für grosszügige und qualitative Baumpflanzungen frei.  Eine mittel- und langfristig zu planende Umlegung der unterirdischen Leitungen kann zu einer besseren Umsetzung dieser Strategie beitragen. Sébastien Casoni, Städteplaner der Gemeinde und Bruno Casini, Leiter ad-interim des Grünflächenamtes, standen für Fragen nach dem Beitrag und zur Diskussion zur Verfügung.  Votrag Natacha Guillaumont. [pdf, 16.3 MB]

Revision des kantonalen Planungs- und Baugesetzes Zürich

Christine Bräm, Direktorin Grün Stadt Zürich, führte aus, wie im Kanton Zürich das Gesetz revidiert wird, um eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung zu ermöglichen. Die Baudirektion des Kantons entwickelte für diese Revision ein Normenkonzept mit vier Handlungsebenen: öffentlicher Raum, Gebäude, Durchlüftung und Grundstücke. Auch im Kanton Zürich wurden Baumpflanzungen und ein allgemein erhöhter Baumbestand der Siedlungsflächen als wichtig eingestuft. Heute stehen etwa die Hälfte aller Bäume auf Privatarealen und zudem sind in der Stadt Zürich die Bäume sehr ungleichmässig über die Quartiere verteilt. Um allgemein bessere Bedingungen für Baumpflanzungen zu schaffen und auch die privaten Grundstückseigentümer zu beteiligen, sind die kantonalen Rechtsgrundlagen entscheidend. So können zum Beispiel die durch kantonale Gesetze vorgeschriebenen Pflanzabstände für Bäume ein echtes Hindernis für neue Pflanzungen darstellen. Der Kanton wird die Grünflächenziffer neu definieren und ihre Anwendung ausdehnen sowie eine Limitierung der Unterbauungen einführen. Auch der Biodiversitätsverlust soll durch entsprechende Vorschriften in den Bauzonenordnungen und Bebauungsplänen gemindert werden. Ein globales Klimakonzept kann die Kaltluftströme sicherstellen. Vortrag Christine Bräm [pdf, 28.5 MB]


Jahreskonferenz VSSG 2021, Artikel in der.gartenbau, Peter Stünzi [pdf, 425 KB]


Seite aktualisiert am 03.01.2021