Navigieren in VSSG/USSP

2019 Lausanne

Jahreskonferenz VSSG

Bericht von Peter Stünzi und Stéphanie Perrochet
Fotos von Christian Wieland


Für die 56. Generalversammlung (GV) waren die Mitglieder der VSSG zu Gast in Lausanne. Alle statutarischen Geschäfte der Vereinigung wurden am Donnerstag nach kurzer Erläuterung einstimmig genehmigt, dies zeigt die grosse Zufriedenheit der Mitglieder mit der Vorstandsarbeit. So blieb schon am Vormittag viel Zeit für Informationen zu Fachthemen. Donnerstag nachmittags und Freitag begingen die Teilnehmer einen Teil der Gärten Lausanne Jardins 2019, besuchten das Projekt Parc naturel périurbain du Jorat, durften die Lausanner Weine degustieren, und besichtigten den landwirtschaftlichen Biobetrieb Rovéréaz.

Teilnehmende der Jahreskonferenz vor dem Casino de Montbenon.
 

Begrüssung durch den Leiter des SPADOM

Etienne Balestra, Leiter des Lausanner Grünflächenamtes (Service des parcs et domaines SPADOM) sprach in der Begrüssung den Wandel im Aufgabengebiet seines Amtes in den letzten Jahren an. Früher produzierte die Stadtgärtnerei 1 Million Wechselflorpflanzen pro Jahr, zur Beseitigung von ungewünschtem Grün auf Wegen und Plätzen griff man bedenkenlos zu Unkrautvertilgungsmitteln, die Milch hatte einen deutlich höheren Preis als heute und für Holz konnte man einen guten Preis lösen. Tempi passati.  
 

Klimawandel macht Stadtgrün noch wichtiger

Felix Guhl, Präsident VSSG, verwies in seiner kurzen Begrüssung auf einen wesentlichen Unterschied in der Wahrnehmung des heissen Sommers 2018 zu 2019. Letztes Jahr - alle mögen sich an den Hitzesommer erinnern - hielten dies viele für ein einmaliges Ereignis. Das Bewusstsein hat sich gemäss seiner Beobachtung jetzt geändert, die Hitze dieses Jahr wurde allgemein als "unsere Zukunft“ verstanden. Guhl vermerkt eine zunehmende politische Unterstützung von Stadtgrün.

Lausanne jardins 2019: Das Projekt "Pranvera" an der Promenade Jean-Jacques Mercier bekämpft den Hitzeinseleffekt durch Sprühnebel.
 

Statutarische Geschäfte

Zügig leitete Felix Guhl durch die ersten fünf Traktanden. Das Protokoll der letzten GV in Baden, der Jahresbericht 2018, die Jahresrechnung und der Revisorenbericht wurden diskussionslos einstimmig genehmigt. Die für diese GV 2019 versendeten Unterlagen, sowie das vorläufige Protokoll der GV stehen im Mitgliederbereich der Website zum Download zur Verfügung (MITGLIEDERBEREICH/Alle Mitglieder/Generalversammlung/ 2019 oder 2020).

Der Präsident konnte der GV sechs neue Gemeinden und Organisationen sowie ein Einzelmitglied zur Aufnahme empfehlen. Mit Applaus wurden die neuen Mitglieder willkommen geheissen.


Zwischenberichte

Es folgten die Zwischenberichte aus Vorstand, Arbeitsgruppen und Grünstadt Schweiz, ist doch die Zusammenstellung des Jahresberichtes schon mehr als ein halbes Jahr her. Cornel Suter stellte das überarbeitete Kommunikationskonzept vor. Die VSSG soll weiter über vier Kanäle kommunizieren, der Postversand bleibt  im bisherigen Rahmen bestehen.

Daniel Hansen, Bern, und Alex Borer, Winterthur, stellten das neue VSSG Positionspapier mit den Empfehlungen zum nachhaltigen Pflanzenschutz vor (Publikationen (Download)).

Markus Weibel berichtete zum Label Grünstadt Schweiz. In der Romandie ist das Interesse am Label bisher grösser als in der Deutschschweiz. Aufbau und Ablauforganisation wurden im 2018 /19 weiter entwickelt, die Erfahrungen der Pilotstädte sind dabei eingeflossen. Vor allem für kleinere Kommunen soll GSS noch attraktiver werden, die heute 60 Massnahmen sind wohl ein wenig abschreckend. Die Qualität des Labels wird gleichbleibend hoch gehalten und es sollen Schweiz weit vergleichbare Zertifizierungen erteilt werden.

Von links nach rechts: Stéphanie Perrochet, Felix Guhl, Daniel Oertli, Christoph Schärer, Markus Weibel, Yvonne Aellen, Hugues Rubattel und Cornel Suter.

Yvonne Aellen stellte den Qualitätsindex für Grünflächen vor, das Resultat von vier Jahren Arbeit von mehreren Städten und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Das Instrument steht den VSSG-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung (Qualitätsindex Freiräume).

Unter dem Traktandum Wahlen schlug Felix Guhl den bisherigen Vizepräsidenten Daniel Oertli, Genf,  als seinen Nachfolger vor. Vor der Staffetenübergabe blickte er auf acht Jahre Vorstandstätigkeit zurück, so wurde in dieser Zeit zum Beispiel Grünstadt Schweiz aus der Taufe gehoben, die VSSG hat ihren Mitgliederbestand um 25 Prozent vergrössert, sie hat einen neue Website und einen neuen grafischen Auftritt, die Weiterbildung wurde breiter aufgegleist, die VSSG hat neu eine Geschäftsleiterin.

Nach dem angekündigten Rücktritt von Felix Guhl, wurde Daniel Oertli  mit grossem Applaus als neuer Präsident gewählt. Seine Amtszeit beginnt Anfang 2020.

Von links nach rechts: Christoph Schärer, Finanzen und Controlling, der den Vorstand verlassende Präsident Felix Guhl, Schaffhausen, und der neue Präsident Daniel Oertli, Genf.

Daniel Oertli verdankt die Tätigkeit von Felix Guhl herzlich und überreicht ihm einen Gutschein für ein Wochenende in einem Walliser Hotel, und ergänzte: im französischsprachigen Teil natürlich, zur Aufbesserung der Sprachkenntnisse. Christoph Schärer, Bern, ist neu Vizepräsident und Natacha Guillaumont, HEPIA Genf, wurde neu in den Vorstand gewählt. Damit ist die Romandie ab 2020 mit drei Personen im Vorstand vertreten.

Das Traktandum Anträge Mitglieder wurde auch dieses Jahr nicht genutzt. Dies, und die einstimmige Zustimmung zu allen statutarischen Geschäften, wertete der Präsident zu Recht als grosse Zufriedenheit der Mitglieder mit der Arbeit des Vorstandes.

Lausanne Jardins 2019

Der Nachmittag war dem Rundgang der Ausstellung Lausanne Jardins 2019 gewidmet. Etienne Balestra, Leiter des SPADOM formulierte als Ziel, beim Publikum einen Wechsel in der Haltung gegenüber "Grün" zu erzielen. Im Fokus stehen bei vielen Objekten die omnipräsenten harten Beläge im Siedlungsraum. So werden diese durch Wasserfontänen durchbrochen, mit weiss gestrichenen Baumskeletten überstellt oder um eine Pappel herum symbolisch aufgebrochen. Wichtig sei die Botschaft "Pleine Terre“ welche man, auf Grund der Ausführungen bei der Einführung in die Ausstellung, mit "gewachsenem Boden“ übersetzen kann. Die Botschaft ist klar: für eine grüne, lebenswerte Stadt reicht es nicht, künstliches Grün auf Dächern und Tiefgaragen anzubieten, es braucht vielmehr Parks und Gärten, und viele Bäume, welche mit ihren Wurzeln tief im gewachsenen Boden verankert sind.

Das Projekt "La Grande Pimprinelle" an der Promenade Jean Villard-Gilles.

Das Projekt "Reveiller les gardiens de la terre", eine Kollektion von bizarren, aus Lehm gebrannten Tieren, die wie Wächter der Erde in dem Vorgarten erscheinen.

Das Projekt "Place to live", dekoriert die Stützmauer der Rue Bel-Air mit Wandmalereien von Gartenträumen.

 

TOM Café

Donnerstag abends lud die Stadt zu einem Galadinner im TOM Café des Olympischen Museums ein, von dessen Terrasse ein weiter Blick auf die Stadt möglich ist.

Etienne Balestra heisst die Gäste im TOM Café herzlich willkommen.

 

Exkursionen

Am folgenden Exkursionstag wurden zwei spannende Grünprojekte besucht. Zuerst der agroökologische Landwirtschaftsbetrieb von Rovéréaz, ein breit diversifizierter Biobetrieb der 80 Gemüsesorten und sieben Getreidesorten kultiviert. Angegliedert ist dort ein grosser und schöner  Permakulturgarten "Der Garten der 1000 Hände“ (Jardins aux 1000 mains), der Menschen, die keinen eigenen Garten haben, das Gärtnern ermöglicht und Kinder aus der Stadt mit dem Gärtnern bekannt macht.

Die Kräuterspirale im kollektiv betriebenen Permakulturgarten Rovéréaz "Jardins aux 1000 mains".

Die kundige Garten-Führerin berichtet über die grossen Herausforderungen, welche für die Organisation einer solchen kollektiven Arbeit bewältigt werden müssen. Die Gruppeneinsätze von Kindern und Erwachsenen zur gemeinsamen, fachgerechten Erstellung der Permakulturbeete werden sorgfältig geplant.

In dem Biobetrieb werden auch verschiedene Arten von Geflügel gehalten.
 

Parc naturel périurbain du Jorat

Nachmittags ging es noch weiter ausserhalb von Lausanne zum Parc naturel périurbain du Jorat, ein Naturpark welcher nach dem Sihlwald bei Zürich als zweiter die offizielle Auszeichnung des Bundes als stadtnaher Naturpark erhielt.

Petra Meyer-Deisenhofer, SPADOM Lausanne, berichtet über die Aktivitäten in dem 40 Quadratkilometer grossen Wald, dessen weitere Entwicklung als Naturpark nicht unumstritten ist.

Beim Apéro am Freitag dürfen die Gäste die von der Stadt Lausanne produzierten Weine degustieren.

 

 


Seite erstellt am 15.1.2020