Hortis 2025, Marseille
67. Kongress, 23. bis 25. Oktober 2025
Zur Ökologisierung der gärtnerischen Praxis
Text und Fotos: Cédric Pelletier, Renens

Das Fort Saint-Jean, ein historisches Gebäude und Museum mit Gartenanlagen, dominiert die Altstadt von Marseille.
250 Personen haben sich für den Kongress im Palais du Pharo angemeldet, an dem neben den Fachteilnehmenden auch 31 Aussteller ihre Produkte vorstellten. Der Morgen des ersten Tages beginnt mit der Begrüssung der Teilnehmenden bei Kaffee und Croissants inmitten der Stände. Eine gute Gelegenheit, die die Veranstaltung sponsernden Unternehmen kennenzulernen.

Die Teilnehmer schlendern zwischen den Ständen der Sponsoren der Veranstaltung umher.
Der erste Vortrag von Serge Zaka, Agrar-Klimatologe, befasst sich mit den immer häufiger auftretenden Dürren und dem Temperaturanstieg aufgrund des Klimawandels. Laut Prognosen der Wissenschaft sind +2 °C im Jahr 2030, +2,7 °C im Jahr 2050 und +4 °C im Jahr 2100 wahrscheinlich. Keine erfreulichen Aussichten. Die Klimazonen haben sich um etwa 200 bis 300 Kilometer nach Norden verschoben. In den 1960er Jahren wurden in Marseille drei Tage/Jahr mit +35 °C gemessen, im Jahr 2030 wird es etwa 40 solche Tage geben. Kältewellen sind seltener und damit nimmt die durch sie regulierte Sterblichkeit von Schädlingen ab. Die «Kastanie in Genf» blüht im Vergleich zum Beginn der Aufzeichnungen nun einen Monat früher, und es ist nicht mehr ungewöhnlich, einen Apfelbaum zu sehen, der gleichzeitig Blüten und Früchte trägt. Die Website climessences.fr hilft bei der Auswahl von Baumarten im Kontext des Klimawandels.
Die zweite Konferenz hielt Pierre Sicard, der über die menschliche Gesundheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel spricht: Baumarten können als gut oder schlecht bewertet werden, je nachdem, wie viel Ozon sie absorbieren oder abgeben. Ozon entsteht durch photochemische Reaktionen und manche Baumarten geben mehr Ozon ab, als sie absorbieren, bei anderen ist es umgekehrt. Die Baumartenwahl muss gut überlegt werden, um die Luftqualität nicht weiter zu verschlechtern. Nach diesem Kriterium ist Eukalyptus die ungünstigste Baumart.
Pierre Sicard spricht auch von der "3-30-300-Regel":
- Von seinem Wohnort aus 3 Bäume sehen;
- In einem Viertel mit 30 % Baumbestand leben;
- Eine hochwertige Grünfläche in weniger als 300 Metern Entfernung von seinem Zuhause haben.
Diese Regel zielt darauf ab, die körperliche und geistige Gesundheit der Stadtbewohner zu verbessern und gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels, wie zum Beispiel städtische Wärmeinseln, zu bekämpfen.
Im Anschluss an diese beiden Vorträge findet eine Podiumsdiskussion mit drei Gästen statt: Elena Magliaro, Forscherin an der Pariser Ingenieurschule Mines PSL, Julie Kmiekoviac, Leiterin von «Natur in der Stadt» und Jérôme Lemoine, Direktor des städtisches Baumzentrums, beide in Marseille. Es werden verschiedene Themen angesprochen, darunter die kürzlich in Marseille organisierte Aktion «24 Stunden zum Pflanzen» bei der 400 bis 500 Schüler an einem Tag in acht Parks der Stadt Bäume gepflanzt haben. Diese Initiative zielte darauf ab, die Stadt zu begrünen, um der globalen Erwärmung entgegenzuwirken und dabei junge Menschen einzubeziehen. Es handelt sich nicht um eine isolierte Aktion: die Stadt hat eine umfassende Baumplanung erstellt, um an wichtigen Verkehrsknotenpunkten Bäume zu pflanzen. In Marseille sind mehr als 2'700’000 Bäume auf öffentlichen und privaten Grundstücken erfasst.
Während der Mahlzeit am Buffet können die Teilnehmenden wiederum nach Belieben zwischen den Ständen der Aussteller umhergehen und Kontakte aufnehmen.
Besuch des Parc de Bougainville
Am Nachmittag besuchen wir den Park, der in einem ärmeren Viertel von Marseille im Bezirk 3 liegt. Er soll für die Bewohner des Viertels den öffentlichen Raum wieder nutzbar machen. Die Gesamtfläche des Parc de Bougainville beträgt 4 Hektar.

Die Hälfte des Parc de Bougainville wurde 2024 fertiggestellt, der Bau der zweiten Hälfte wird 2027 beendet.

Der derzeit kanalisierte Bach wird im Rahmen der Neugestaltung renaturiert.

Visualisierung der geplanten Renaturierung des Kanals.
Der Ort "Les Aygualades"
Die Besichtigung geht weiter zu den "Aygualades", einer ehemaligen Gleisanlage, welche die Stadt von der nationalen Eisenbahngesellschaft SNCF gekauft und 2024 stillgelegt hat. Wir stehen vor einer von niedrigwachsenden Gräsern dominierten steppenartigen Fläche.

Euromed II
Im Anschluss an den 2024 durchgeführten Wettbewerb und Planungsdialog für den Standort Euromed II werden die Stadt Marseille und das Büro Leclercq Associés über einen Zeitraum von vier Jahren Planungsarbeiten und Tests im Wert von 600’000 Euro durchführen. Diese werden zu 50 % aus dem Fonds „France 2030” finanziert.
So werden zum Beispiel Pflanztests in sieben 20 x 20 Meter grossen Flächen mit verschiedenen Bodenmischungen durchgeführt. Ziel ist die Wiederverwendung von vor Ort anfallenden Materialien zur Herstellung eines fruchtbaren Bodens. Nicht weniger als 170'000 Kubikmeter Material werden verarbeitet, davon sind 80'000 Kubikmeter vor Ort vorhanden. Diese Materialien werden mit Schluff und Ton aus einer Tongrube in der Aubagne angereichert. Der Baubeginn ist für 2028 geplant, die erste Eröffnungsphase für 2031 oder 2032.
Generalversammlung Hortis
Am späten Nachmittag kehren wir zum Palais du Pharo zurück, wo die Generalversammlung stattfindet. Hortis hat zur Zeit etwa 600 Mitglieder. Das Ziel ist es, 1000 Mitglieder zu erreichen. Hortis möchte die Regionen weiterentwickeln und wird zu diesem Zweck eine neue Strategie mit einem externen Büro entwickeln, um die Zahl seiner Mitglieder zu erhöhen.
Die Versammlung wird mit der Vorstellung der Aktivitäten der 14 Regionen Frankreichs fortgesetzt.
Beim Aperitif vor dem abendlichen Galadinner treffe ich verschiedene Leute, die mich unter anderem auf Bernard Wille ansprechen, den ehemaligen Frankreich-Delegierten der VSSG. Uns wird ein ausgezeichnetes Essen serviert, während die akustische Begleitung durch Basilic Swing, eine Jazz Manouche Musikgruppe, bis fast Mitternacht für ein angenehmes Ambiente sorgt.
Vom Sultan und seiner Rose ... zum extensiven Unterhalt
Der Morgen des 24. Oktober beginnt mit Kaffee und Croissants an den Ständen der Aussteller. Der Kongress beginnt mit einer Geschichte über einen Sultan und einen Rosenstrauch, der nicht blühen wollte, gefolgt von einer Theaterinszenierung über den Gärtner von gestern bis zum Gärtner von morgen. Das Thema „30 Jahre differenzierte Bewirtschaftung” wird vorgestellt und diskutiert, moderiert von Pauline Lambrey, Leiterin der Abteilung Gärten und Naturräume der Stadt Montpellier, Generalsekretärin und Regionalbeauftragte von Hortis Occitanie, und Patrick Laforgue, Ausbildungsberater und Regionalbeauftragter von Hortis Occitanie.
Die erste Konferenz hält Christopher Peignart, Spezialist für historische Gärten, der über die Restaurierung der Gärten von Versailles und Marly spricht. Auf dem lange Zeit ungenutzten Anwesen von Marly siedelten sich seltene Pflanzen an. Mithilfe von dort installierten Bienenstöcken und die Entnahme und Analyse von Pollen konnte man die auf dem Gelände vorhandenen Blumenarten bestimmen.
Sandrine Larramendy sprach über positive Erfahrungen und gemeinsam im Dialog ermittelte Interessen zwischen Akteuren des Kulturerbes und Akteuren aus den Bereichen Vegetation und Landschaft in historischen Kulturerbe-Stätten.
Denis Delbare sprach über die Veränderungen in öffentlichen Grünanlagen, gefolgt von einer Podiumsdiskussion über die Banalisierung von Gärten und Landschaften, im Guten wie im Schlechten, moderiert von Anne Marchand, Präsidentin von Hortis. Gartenpraktiken in einem Kontext, in dem der Begriff der Landschaftsidentität von einem Gebiet zum anderen manchmal schwer zu fassen ist, obwohl die Region Î ch unterschiedlichen Kontexten geprägt ist. Die Herausforderung besteht darin, den raschen Klimawandel zu berücksichtigen und gleichzeitig die Einzigartigkeit unserer Gärten und Landschaften zu bewahren.
Thierry Duteuil präsentierte uns Fotos von kontextbezogenen Kreationen und von als banalisierend empfundenen Gestaltungen.
Ökologisierung der Gartenpraxis
Der Kongress endete mit einer Rede von Pierre Donadieu, Agronom, Ökologe und Geograf, Professor an der Ecole nationale supérieure du paysage de Versailles (Nationale Hochschule für Landschaftsgestaltung in Versailles). Aufgrund seiner Erfahrung und mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise fasste Herr Donadieu dieses Kolloquium zusammen und gab einen Rückblick auf die letzten 50 Jahre, auf die Ökologisierung der Gartenpraktiken auf allen Ebenen: Management, Gestaltung und Gesetzgebung.
Die Campagne Pastré
Am Samstag, den 25. Oktober, trafen sich etwa dreissig Personen auf dem Place Castellane, um dann mit dem Bus zum Parc Pastré am Fuss der Calanques zu fahren. Wir spazierten auf den Spuren von Marcel Pagnol durch den Park, vom Land bis zum Meer. Der Kanal von Marseille endet an diesem Ort, bevor er in die Madrague de Montredon mündet. Zwischen der Pointe Rouge und der Grotte Roland erstreckt sich der Parc Pastré über 112 Hektar bis zu den Hügeln von Marseilleveyre.

1974 übertrug Gräfin Céline de Beaulincourt-Marle, die Ehefrau von Eugène Pastré, den grössten Teil ihres Grundstücks an die Stadt. Seitdem ist der Ort zu einem riesigen öffentlichen Park geworden und gehört zu den Schmuckstücken des städtischen Kulturerbes. Seine zentrale Allee erstreckt sich über mehr als 900 Meter. Zwei Teiche, ein Kanal, Spielplätze und Wanderwege begeistern die zahlreichen Besucher.

Der Kanal von Marseille
Das Château Pastré im Stil einer provenzalischen Bastide aus dem 19. Jahrhundert mit seinen Nebengebäuden aus derselben Epoche vervollständigt den Park und dient heute als Gästevilla der Stadt Marseille.


Der obere Teil des Geländes hat seinen natürlichen Charakter bewahrt und öffnet sich in Richtung der Hügel von Marseilleveyre und den Calanques. Der gesamte bewaldete Teil des Parks gehört zum Naturschutzgebiet der Calanques und ist ein Tor für Wanderfreunde.
Im unteren Teil wurde ein Wassergarten angelegt. Man unterscheidet drei Bereiche: die Becken und Wiesen, die einen schattigen und ruhigen Spaziergang ermöglichende provenzalische Promenade, und ein Freiluft-Amphitheater. Die Société des Eaux de Marseille hat einen monumentalen Brunnen errichtet, der die Alpen symbolisiert, wo die Gewässer der Durance entspringen, dem eigentlichen Ausgangspunkt des vom Architekten Marc Dossetti entworfenen Wasserrundgangs.
Im Restaurant Au bord de l'eau vor einem kleinen Hafen nahmen wir mittags ein köstliches Fischgericht ein, danach setzten wir unseren Spaziergang am Meer entlang fort. Der Spaziergang endete in der Nähe des Mont Rose und Les Goudes.
Diese drei Tage waren reich an Vorträgen, Besichtigungen und Networking, und ich freue mich schon auf den nächsten Kongress, der 2026 in Grenoble stattfinden wird.
Seite erstellt am 01.02.2026