Galk 2025, Chemnitz
Bundeskongress der Grünen Fachverbände
Die Veranstaltung vom 25. bis 28. Juni 2025 in Chemnitz trug den Titel "Stadt natürlich entwickeln - naturbasiert, artenreich, klimaangepasst".
Text und Bilder von Dr. Ingitta Scapozza, Grün Stadt Zürich
Die Themen Stadtnatur und Artenviefalt werden in Deutschland ebenso wie in der Schweiz zunehmend als Schlüsselfaktoren für Lebensqualität, Gesundheit und Klimaanpassung in den Städten verstanden. Der Kongress bot damit einen Rahmen, in dem sich die aktuellen Debatten spiegelten: von der Frage, wie viel Natur die Stadt braucht, bis hin zu konkreten Instrumenten, mit denen Kommunen grün-blaue Infrastrukturen langfristig sichern und weiterentwickeln können.

"Aufbruch" - die Natur erobert hier symbolisch die Stadt zurück.
Zu Beginn zeigte Michael Stötzer, Baubürgermeister der Stadt Chemnitz, eindrücklich auf, wie sich die Rolle als Kulturhauptstadt Europas auf die grün-blaue Infrastruktur der Stadt auswirkt. Er verdeutlichte, dass Investitionen in Kultur immer auch Chancen für Freiräume, Plätze und Grünanlagen eröffnen – etwa durch neue Aufenthaltsqualitäten, durch die Aufwertung bisher unterschätzter Räume oder durch die Verknüpfung von Kulturstandorten mit Parkanlagen und Uferzonen. Gerade aus Schweizer Perspektive, wo Städte wie Zürich, Basel oder Lausanne intensiv an der Verbindung von Kulturangeboten mit hochwertigen öffentlichen Räumen arbeiten, boten diese Einblicke spannende Parallelen und Anknüpfungspunkte.
Grünflächenamtsleiter Peter Börner lenkte den Blick auf die Chemnitzer Parks und Wälder und zeigte, wie diese als Rückgrat der urbanen Grünstruktur fungieren. Er ging auf Pflegekonzepte, den Umgang mit Trockenheit und Hitze sowie die Bedeutung naturnaher Gestaltungs- und Bewirtschaftungsansätze ein. Diese Themen sind auch aus Schweizer Städten vertraut: Stadtwälder als Erholungsräume, hitzeresiliente Parks, biodiversitätsfördernde Wiesenflächen oder der Schutz alter Baumbestände beschäftigen Gemeinden von Genf bis St. Gallen. Durch die Chemnitzer Beispiele wurde deutlich, wie vergleichbar die Herausforderungen sind – und wie wertvoll der Blick über die Grenze sein kann, um eigene Strategien zu schärfen.

Forschung zu Waldbodenprofilen und Monitoring der Entwicklung im sächsischen Mischwald
Das weitere Tagungsprogramm bot ein breites, hochkarätiges Spektrum an Beiträgen aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Praxis. Prof. Dr. Christian Wirth, Gründungsdirektor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, zeigte, welche Chancen urbane Räume für die Förderung der Biodiversität bieten, wenn sie bewusst geplant und bewirtschaftet werden. Er spannte den Bogen von artenreichen Saumstrukturen über vernetzte Grünflächen bis hin zu klimaangepassten Baumkonzepten und unterstrich die Bedeutung von Monitoring und Forschung. Für Fachleute aus der Schweiz fügte sich dies nahtlos in laufende Diskussionen rund um Biodiversitätsstrategien von Bund und Kantonen, kommunale Naturschutzkonzepte und Programme zur Förderung der urbanen Vielfalt ein.

Die Ausstellung "Neben der Spur" sensibilisert die Bevölkerung für die Artenvielfalt am Strassenrand.
Andreas Heil aus dem Bundesumweltministerium beleuchtete das Engagement des Bundes zum Erhalt der biologischen Vielfalt und des natürlichen Klimaschutzes im urbanen Raum. Dabei wurden Förderprogramme, rechtliche Rahmenbedingungen und strategische Ziele vorgestellt, die deutlich machten, wie stark der nationale Rahmen kommunales Handeln unterstützen kann. Aus Schweizer Sicht drängte sich der Vergleich mit den Instrumenten der nationalen Klima- und Biodiversitätspolitik auf: die Rolle von Aktionsplänen, Programmen vom Bundesamt für Umwelt BAFU und dem Bundesamt für Raumentwicklung ARE, aber auch die Bedeutung der Gemeinden als zentrale Umsetzungsebenen.

Karl Marx - Zeitzeuge der DDR, prägt auch heute noch den öffentlichen Raum in Chemnitz.
Einen explizit schweizerischen Akzent setzte der Beitrag von Dr. Ingitta Scapozza von Grün Stadt Zürich. Sie präsentierte Aktivitäten zum Erhalt der Artenvielfalt und zeigte anhand konkreter Projekte auf, wie Städte hierzulande vorangehen: von biodiversitätsfördernden Gestaltungskonzepten in Park- und Grünanlagen über Pilotprojekte auf Schulhausarealen bis hin zu Strategien für hitzeangepasste, naturnahe Stadträume.
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses lag auf den Potenzialen der automatisierten Erhebung und Verarbeitung digitaler Daten für grüne, klimaangepasste Städte. Franziska Löffler und Viktoria Engnath vom Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig präsentierten Methoden zur Messung der Baumbeschirmung anhand von Datenanalysen aus Satellitenbildern. Solche Verfahren erlauben es, Kronendächer systematisch zu erfassen, Hitzeinseln sichtbar zu machen und Prioritäten für Nachpflanzungen oder Entsiegelungen abzuleiten. Für Planungsteams und Verwaltungen in der Schweiz, in denen digitale Baumkataster, GIS-gestützte Auswertungen und Fernerkundungsdaten zunehmend an Bedeutung gewinnen, waren diese Beispiele direkt anschlussfähig.

Entsiegelung schafft neue Pflanzflächen
Besonders interessant war der Beitrag von Prof. Christian Graf vom Institut für Landschaft und Freiraum ILF der Ostschweizer Fachhochschule, Standort Rapperswil. Er lotete Möglichkeiten und Grenzen der KI-gestützten Planung aus und zeigte, wie digitale Werkzeuge helfen können, Szenarien zu vergleichen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und Beteiligungsprozesse zu bereichern – ohne den fachlichen und politischen Diskurs zu ersetzen. Damit rückte die Rolle der Schweizer Hochschulen als Impulsgeber für innovative, evidenzbasierte Stadt- und Landschaftsplanung in den Fokus und machte deutlich, wie eng Forschung und kommunale Praxis zusammenspielen können.

Staudenpflanzungen tragen zur biologischen Vielfalt und ästhetischen Parkgestaltung bei.
Abgerundet wurde der Kongress am Samstag durch ein interessantes Exkursionsangebot, unter anderem mit Begehungen des Botanischen Gartens, des neu gestalteten Pleißenbachparks und der städtischen Parkanlagen in Chemnitz. Vor Ort wurde sichtbar, wie Strategien zu Biodiversität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität in konkrete, erfahrbare Räume übersetzt werden: mit schattenspendenden Baumalleen, naturnahen Pflanzungen, wassersensibler Gestaltung und differenzierten Angeboten für Erholung, Spiel und Begegnung.
Programm Bundeskongress und Gartenamtsleiterkonferenz 2025 [pdf, 1.2 MB]
Link zur Website der Galk e.V. - Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz
Seite aktualisiert am 05.02.2026