Friedhof Rosenberg, Winterthur 2026
Die Arbeitsgruppe Friedhöfe (Deutsch-Schweiz) traf sich am 2. Juni 2026 zu ihrer zweiten Sitzung des Jahres in Winterthur. Die Arbeitsgruppe kommt in der Regel viermal jährlich zusammen, wobei ein bis zwei Sitzungen direkt auf einem Friedhof vor Ort stattfinden. Ziel dieser Treffen ist es, aktuelle Fragestellungen rund um Bestattungswesen, Friedhofsentwicklung, Grabkultur und Friedhofsbetrieb im fachlichen Austausch zu diskutieren und voneinander zu lernen.
Im Anschluss an die eigentliche Arbeitsgruppensitzung stand der Besuch des Friedhofs Rosenberg auf dem Programm. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Claudia Walter und ihrem Team für die Gastfreundschaft sowie die spannenden Einblicke in die Geschichte, Gestaltung und den Betrieb dieser eindrucksvollen Friedhofsanlage.
Ein Friedhof mit Geschichte und besonderem Charakter
Der erste Entwurf des Friedhofs Rosenberg stammt vom Winterthurer Architekten Robert Rittmeyer und geht auf das Jahr 1908 zurück. Die Anlage wurde 1914 eingeweiht. Heute besteht sie aus zwei unterschiedlichen Hauptteilen.
Der südliche Bereich wurde von Robert Rittmeyer gestaltet und später durch Walter Furrer weiterentwickelt. Der nördliche Teil geht auf eine Erweiterung durch Robert Merkelbach aus dem Jahr 1940 zurück. Die beiden Friedhofsteile unterscheiden sich deutlich in ihrer gestalterischen Ausprägung und werden von der Stadtgärtnerei Winterthur bewusst in ihrem jeweiligen Charakter erhalten. Während der Südteil dem sogenannten dialogischen Prinzip folgt und durch klare Übergänge zwischen Wald und Kulturlandschaft geprägt wird, präsentiert sich der Nordteil als grosszügiger Landschaftspark. Dieser wird oft als «Garten im Wald» beschrieben und vermittelt mit seinem waldartigen Charakter Ruhe, Trost und Geborgenheit. Die hohe gestalterische Qualität der Anlage beeindruckte die Teilnehmenden ebenso wie die harmonische Einbettung in die Landschaft. In einzelnen Bereichen erinnert der Friedhof Rosenberg an einen Waldfriedhof. Die wertvollen Baumbestände, die abwechslungsreichen Räume und die sorgfältig gestalteten Wege- und Grabfelder verleihen der Anlage eine besondere Atmosphäre.
Themen des fachlichen Austauschs
Im Rahmen der Besichtigung und der Diskussionen vor Ort wurden verschiedene aktuelle Fragestellungen aus dem Friedhofswesen vertieft. Im Mittelpunkt standen insbesondere:
- der Umgang mit Überhangflächen infolge veränderter Bestattungszahlen,

- Neue Bestattungsformen wie Baumgräber oder spez. Gemeinschaftsgrabanlagen
- muslimische Grabfelder oder allgemein der Umgang mit verschiedenen Kulturen
- Herausforderungen durch Rehwild auf Friedhöfen,
- die zukünftige Nutzung leerstehender oder unternutzter Friedhofgebäude,
- der rückläufige Bedarf an Urnennischenanlagen,
- die praktische Umsetzung gesetzlicher und betrieblicher Vorgaben.
Dabei bot die Besichtigung der Gemeinschaftsgrabanlagen, der Aufbahrungsräume, der Kapellen und des Krematoriums Gelegenheit für einen vertieften fachlichen Austausch.
Fazit
Die Diskussionen zeigten eindrücklich, wie stark der Wandel der Bestattungskultur die Friedhöfe verändert. Neben den klassischen Themen rund um Grabfelder und Bestattungen rücken zunehmend strategische Fragen zur zukünftigen Nutzung von Flächen, Gebäuden und Infrastrukturen in den Vordergrund.
Der Besuch des Friedhofs Rosenberg bot zahlreiche fachliche Anregungen und wertvolle Einblicke. Gleichzeitig wurde einmal mehr deutlich, dass trotz der grossen Vielfalt der Friedhöfe innerhalb einer Stadt, einer Region oder der gesamten Schweiz vielfach ähnliche Fragestellungen auftreten und vergleichbare Herausforderungen zu bewältigen sind. Der Austausch war wiederum sehr spannend, bereichernd und für alle Teilnehmenden von grossem Interesse.
Stefan Brunner, Leiter AG Friedhöfe, 02.06.2026
Seite erstellt am 22.07.2026