2018 Baden

Jahreskonferenz VSSG

Bericht von Peter Stünzi und Stephanie Perrochet

Die 55. VSSG Jahreskonferenz startete wie gewohnt mit der Generalversammlung der Vereinigung am Vormittag des ersten Versammlungstages.

Teilnehmende der Generalversammlung am Eingang der Veranstaltungshalle Werkk. In der Mitte Markus Weibel, Vorstandsmitglied der VSSG und Leiter der Kommission Grünstadt Schweiz ab Beginn 2018. Rechts im Bild die Delegierte der italienischen Partnerorganisation, Maria Cecilia Baschieri, aus Bozen.

Alle Fotos zum Bericht: Stéphanie Perrochet

Begrüssung durch den Präsidenten

Im Jugend- und Kulturlokal Werkk begrüsste der Präsident Felix Guhl, Schaffhausen, Vertreterinnen und Vertreter der Städte und Gemeinden sowie die Sponsoren. Mit seinen einführenden Worten hob er hervor, dass der heisse und trockene Sommer es für die grünen Ämter zu einer grossen Herausforderung mache, das öffentliche Grün zu unterhalten. Die VSSG sei aber gut aufgestellt, um die Herausforderungen des sich in diesem Jahr deutlich zeigenden Klimawandels anzunehmen. «Wir wissen, dass zum Beispiel Bäume an den richtigen Standorten die Bildung von Hitzeinseln vermindern können, und durchgrünte Städte tragen allgemein zu einem besseren Stadtklima bei. Das Grün wird weiter an Bedeutung zunehmen, und damit auch die Akteure, welche sich dem Thema widmen.»

Mittagstisch und Sponsorenstände in der ehemaligen Schmiede-Halle der BBC, heute ABB.

Begrüssung durch Stadtrat

Philipp Ramseier, Stadtrat mit dem Ressort Immobilien/Infrastruktur hiess die Anwesenden herzlich willkommen, und freut sich, dass die Stadt Baden Gastgeberin für diese Jahreskonferenz ist. Er weist darauf hin, dass sich die Gesellschaft in einem Umbruch befindet, und dass wir uns im Werkk ebenfalls an einem Ort des Wandels befinden. Das Areal wurde als Chance genutzt ein neues Quartier zu entwickeln, in dem Kultur, Wohnen, Freizeit und Arbeit nebeneinander ihren Platz haben. Die renovierte, der neuen Nutzung angepasste Halle und das Lokal Werkk liegen nun in einem Umfeld zeitgenössisch gestalteter Plätze, die den Menschen ermöglichen, das Quartier und die Stadt zu geniessen.

Rückblick auf 2017, Aufnahme neuer Mitglieder

Nach kurzen Erläuterungen durch den Vorstand wurden das Protokoll der Jahreskonferenz 2017, der Jahresbericht 2017 sowie die Jahresrechnung 2017 ohne Diskussion oder Gegenstimmen genehmigt. Als neue Mitgliedgemeinden traten Estavayer, Bellinzona, Belmont-sur-Lausanne, Gland, Conthey sowie als Einzelmitglied Martin Geissbühler aus Solothurn der Vereinigung bei. Mit dem Naturama Aargau wurde in der Mitgliederkategorie «Institution» eine gemeinnützige Organisation aufgenommen, welche sich der Bildung im Natur- und Umweltbereich widmet, und die auch die Kantonale Fachstelle Nachhaltigkeit des Kantons einschliesst.

Vorstandswahlen

Zwei neue Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Yvonne Aellen, Leiterin des Grünflächenunterhalts bei der Stadtgärtnerei Basel, und Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei Luzern. Zum ersten Mal übernimmt damit eine Frau Vorstandsaufgaben in der VSSG.

Yvonne Aellen, neues Vorstandsmitglied, Stefan Brunner, neuer Leiter der Arbeitsgruppe Friedhöfe und (hinten) Daniel Hansen, Leiter der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit und Oekologie.

Christian Wieland neues Ehrenmitglied

Felix Guhl schlug vor, Christian Wieland, Winterthur, zum Ehrenmitglied der Vereinigung zu wählen. Er begründete: «Für ihn gab es nichts Halbbatziges, … . Während 14 Jahren Vorstandstätigkeit mit der Verantwortung für die Finanzen engagierte er sich sehr für die VSSG. Sein bemerkenswertes strategisches Denken führte zur Gründung des Labels Grünstadt Schweiz ». Christian Wieland war bis Ende 2017 auch Vorsitzender der Grünstadt Schweiz Kommission der VSSG. Mit Freude und anhaltendem Applaus folgten die Mitglieder dem Antrag des Vorstandes.

Christian Wieland auf der Terrasse zum Landschaftsgarten der Villa Boveri.

Erhöhung der Mitgliederbeiträge und Annahme der Budgets 2019

Eine ernsthafte Diskussion folgte auf den Vorschlag des Vorstandes, die Mitgliederbeiträge um 25 Prozent anzuheben. Christoph Schärer, Bern, verantwortlich für die Finanzen im Vorstand, begründete dies mit den wachsenden Aufgaben der VSSG und dem Willen, über die nächsten Jahre eine Reserve, deutlich grösser als ein Jahresaufwand, aufzubauen. Die Mitgliederbeiträge der VSSG waren seit 2003 nicht mehr angehoben worden. Zwei Gegenanträge von Mitgliedern boten dem Vorstand die Möglichkeit, die Stimmung im Saal auszuloten. Nach kurzer Diskussion folgte die grosse Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden der Argumentation des Vorstands und stimmte der Erhöhung per 2019 zu. In der Folge wurden die Budgets 2019 für VSSG und GSS angenommen.

               

(Kleinbilder: anklicken, um sie grösser zu sehen)

Zwischenbericht 2018

Felix Guhl und Stéphanie Perrochet informierten über das neue grafische Erscheinungsbild der VSSG mit einem neuen Logo. Die Änderung wurde durch den etwas komplizierten Namen der VSSG und heutige neue Verwendungen des Logos notwendig. Bei der Entwicklung wurde auf den Wiedererkennungswert der Grafik und die harmonische Erscheinung gemeinsam mit dem Logo von  Grünstadt Schweiz (GSS) grosser Wert gelegt.

Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit und Ökologie

Die AG veranstaltete 2018 im September ihre traditionelle ERFA-Tagung, diesmal zum Thema «E-Green». Daniel Hansen informierte ebenfalls über die Datenbank «Bewertung und Erfassung von Pflanzenschutzmitteln» (BEP), welche seit 2014 auf Deutsch und Französisch (meist) ohne Probleme läuft. Um die Datenbank weiter zu ergänzen, zahlen die Nutzer neu eine geringe Lizenzgebühr. Alle Inhaltsstoffe der Produkte werden durch die AG und die Fachhochschule Nordwestschweiz  bewertet, auch biologische Mittel und Organismen können erfasst werden. Die Daten lassen erkennen, dass von 2016 auf 2017 ein höherer Einsatz von Organismen erfolgte. Die Frage, wie diese in Zukunft noch besser erfasst und in der Datenbank bearbeitet werden können, wird angegangen. Eindeutig rückläufig ist der Einsatz von chemischen Mitteln. Felix Guhl erinnerte daran, dass die Nutzung der Datenbank auch für die Betriebssteuerung in der eigenen Gemeinde und die Bewusstseinsbildung um den Einsatz der Stoffe sehr nützlich ist. Sie ist auch für Gemeinden geeignet, die keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen.

Projekt Grünstadt Schweiz (GSS)

Markus Weibel (Thun), Kommissionsvorsitzender, berichtete, dass sich das Label in diesem Jahr stark weiterentwickelt hat. Im Juni wurden durch das BAFU weitere Gelder gesprochen, die eine gute Basis für die Arbeit des Projekts in den nächsten Jahren darstellen. Die Kommission wurde neu zusammengestellt, neu dabei ist Cornel Suter (Luzern). In der Kommission sitzen auch Gabriela Silvestri vom BAFU und Florian Brack von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil (ZHAW), Abteilung Life Sciences und Facility Management. Die Geschäftsstelle GSS wird von Pascale Haas im Büro nateco geleitet. Es wurde neu ein parlamentarisches Unterstützungskomitee für GSS gebildet. Das «Lobbying» auf Bundesebene für das Label soll auch allgemein helfen, die Arbeit der grünen Ämter in den Gemeinden bekannter zu machen. Die schon zertifizierten Städte waren in der Lokalpresse, teils im Fernsehen und im Radio sehr gut vertreten, Guhl weist darauf hin, dass das Label GSS schon fast bekannter ist als die VSSG selber.

Arbeitsgruppe Kinder im Stadtraum

Die Nachfolge-Arbeitsgruppe der AG Spielplatzsicherheit wurde Anfang Juni gegründet. Die Themen sind: Spielräume in der Stadt, Naturspielräume, sichere und angenehme Fusswegeverbindungen, Öffnung und Gestaltung der Schulhöfe, Vernetzung der Berufsgruppen, welche im Bereich Kinderspiel arbeiten. Die AG-Sitzungen bieten jeweils auch Gelegenheit für einen Fachbesuch / eine Fachexkursion. Ziele, Strategie und Handlungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe Kinder im Stadtraum werden im November weiter diskutiert. Neue Mitglieder sind gerne willkommen.

Regionalgruppe Zentralschweiz / Tessin

Die Regionalgruppe dankte ihrem Obman, Pirmin Frey, Baar, für sein grosses Engagement.

Fachbesuche

Die an die GV anschliessenden Fachbesuche am Donnerstag Nachmittag und Freitag ermöglichten den Teilnehmenden, die Stadt Baden von innen und aussen näher kennenzulernen.

Die heilenden Thermalquellen hatten die Stadt bekannt gemacht und gaben ihr den Namen. Heute befindet sich ein neues Bäderviertel im Bau, mit einem von dem Architekten Mario Botta entworfenen Thermalbad. Es liegt direkt an der Limmat gegenüber dem Kurplatz mit seinen historischen Gebäuden.

Emanuel Trüeb, Peter Stünzi, Olivier Châtelain und Roger Beer auf dem Kurplatz vor dem historischen Atrium-Hotel Blume.

In der Mitte des Bildes (im grünen T-Shirt ) Jean-Marc Beffa, Vertreter der Gemeinde Vernier und rechts von ihm der Dolmetscher, Sulpice Piller.

Die Eingangshalle des Atrium-Hotels, in dem den Teilnehmenden der Apéro am Abend des ersten Konferenztages serviert wurde.

Die Erläuterungen zur Geschichte der ABB (früher BBC) und ihrer Gründer Charles E. L. Brown und Walter Boveri sowie der Blick  das heute noch stadtprägende Firmengelände machten die Vergangenheit Badens eindrücklich begreiflich.

Baumschutz wird grossgeschrieben

Im Kurpark erläuterten die Fachleute den Tagungsteilnehmenden - ebenfalls simultanübersetzt - die Baumschutzmassnahmen. Der Raum unter der Baumkrone einer dreistämmigen veredelten Blutbuche ist abgesperrt, wegen des Risikos von Grünastabbrüchen. Martin Erb, Tilia Baumpflege, erläutert den Gesundheitszustand und die Sicherheit (oder Risiken) unter dem mehr als hundertjährigen Baum. Roberto Gartner, Leiter des Grünflächenunterhalts in Baden, sprach zu den allgemeinen Massnahmen im Park.

Die Firma Tilia Baumpflege berät nicht nur zu Risiken von Astabbrüchen und umstürzenden Bäumen, sondern begleitete die Stadt auch mit Beratung und Durchführung von Schutzmassnahmen an mehreren Parkbäumen des Kurparks bei den Renovierungsmassnahmen am Casino.

Klimawandel und Aufenthaltsqualität

Die Stadt misst der Anpassung an den Klimawandel eine grosse Bedeutung bei: Die klare Forderung «mehr Grün und Blau statt Stadtgrau » stellte Herr Finkenbrink von Stadtökologie Baden auf dem Rundgang durch den Wald um Münzlishausen-Baden, der ein grosser und wichtiger Bestandteil des Badener Freiraums ist. Von jedem Punkt in der Stadt gelangt man in zehn Minuten unter sein vor Hitze schützendes Blätterdach.

Blick von der Ruine Stein.

                        

Als Erholungsraum für die Menschen, durch eine Biodiversität fördernde Bewirtschaftung und durch die Berücksichtigung dieses Kühlespenders für die Frischluftkorridore der Stadt können Forstwirtschaft und Grünraumgestaltung gemeinsam ihre volle Wirkung für Badens BewohnerInnen und BesucherInnen entfalten. Von durch Schilder markierten Informationspunkten können die SpaziergängerInnen telefonisch einen Audioführer kontaktieren und Informationen abhören, manchmal auch mit den dazugehörenden Tierstimmen.

Neben den Grünflächen wird Wasser im Rahmen der Klimaerwärmung nicht nur für die Bewässerung, sondern auch für die Aufenthaltsqualität im Siedlungsraum eine immer bedeutendere Rolle spielen. Sei dies als plätschernde und kühlende Wasserfontäne, als zugängliches Bach-, Fluss- oder Seeufer, als nutzbares Wasserbecken oder einfach als Brunnen.

Die Limmat bei der "Schiefe Brücke".

Eine Chance für unsere Vergangenheit

Das Thema Stadtgeschichte kam bei den Fachexkursionen mehrmals zum Zuge: beim Besuch der Altstadt, bei der Sammlung traditioneller Obstbaumsorten bei Suter in Münzlishausen, auf dem Friedhof an der Bruggerstrasse und dann zum Tagungsschluss im Garten der Villa Boveri. Auf dem historischen Friedhof werden heute nur noch Aschebestattungen in den Mietgräbern (Familiengräbern) vorgenommen. Alle Reihengräber wurden 1982 geräumt. Die Anlage wurde anschliessend behutsam der heutigen Funktion als Park angepasst, wobei der grössere Teil für eine besinnliche Nutzung reserviert ist.

Ursprünglich weit vor den Toren der Stadt am Hasliberg angelegt, befindet sich der ehemalige Friedhof nun mitten in der Stadt. Die historisch bedeutsamen Grabmale erinnern  heute noch an  wichtige Personen der Geschichte Badens.

            

Ein kleiner Bereich des ehemaligen Friedhofs am Wohnquartier Martinsberg wurde zum Spielplatz umgebaut. Die Umgestaltung lag in der Hand des Büros SKK Landschaftsarchitekten, bei der Spezialistin für historische Gartenanlagen, Petra Schröder, die sich auch um die gesamte Anpassung der Friedhofsanlage verdient machte.

Blick vom Quartierplatz an der Martinsbergstrasse auf den tiefergelegenen Spielplatz, auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs zwischen Brugger- und Martinsbergstrasse.

       

Der Quartierplatz bietet den AnwohnerInnen Möglichkeiten zum städtischen Gärtnern und ist mit einem historischen Brunnen ausgestattet.


 

Die  Villa Boveri

Die Villa Boveri und ihr Park sind heute Eigentum einer Stiftung. Die Anlage ist ein besonderes Kleinod der schweizerischen Gartengeschichte.

Walter Boveri, Mitbegründer der BBC 1891, kaufte sich Ende des 19. Jahrhunderts am linken Ufer der Limmat, ausserhalb der damaligen Stadt Baden, ein 18'650 Quadratmeter grosses Grundstück und liess dort ein Wohnhaus für seine Familie erbauen.

 

Blick durch den späthistorischen Landschaftsgarten auf die Villa Boveri.

 

Der Garten für die Villa wurde in zwei Abschnitten in unterschiedlichen Stilen gebaut.

Um 1899 beauftragte Walter Boveri den Zürcher Gartenkünstler Evariste Mertens mit der Gartengestaltung an seinem neuen Wohnhaus. Er legte einen «späthistorischen Landschaftsgarten» nach französischer Schule an. Dabei wurden jede Baumgruppe, jedes dekorative Objekt, jede Nutzabteilung kunstvoll und wohlüberlegt bedacht, nichts wurde dem Zufall überlassen.

Das historische Gebäude wird von der Stiftung für Seminare und Fortbildungskurse genutzt.

    

Das Landschaftsarchitektur Büro SKK begleitet seit mehr als zwanzig Jahren die Restauration und Pflege des Gartens und Peter Paul Stöckli, einer der Gründer des Büros, zeigte den Besuchern beim Rundgang in den Gärten die Charakteristika der Anlage. (siehe auch pdf des Fachartikels im Mitteilungsblatt der Schweizerischen Gartenkultur von P.P. Stöckli, am Ende dieses Berichts). Die Dolmetscherin ist Bettina Hanstein.

Zehn Jahre nach der Erstanlage, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verwirklichte Boveri auf einer neu hinzugekauften Parzelle einen stärker barock geprägten Garten, den er in einer «vorzüglichen Symbiose» mit dem Landschaftsgarten zu einem grossen Ganzen zusammenführte.

Die gesamte Anlage steht heute der Badener Bevölkerung als öffentlicher Park zur Verfügung.

Annika Berger-Müller, Pratteln, auf der Terrasse des barocken Gartenteils der Villa Boveri.

                  

Die Organisation der Jahreskonferenz lag bei: Thomas Stirnemann (Leiter Werkhof), Roberto Gartner (Teamleiter Grünanlagenunterhalt), Inès Lo Cascio (Administration) und Stefanie Kiener (Verantwortliche Tagungen & Kongresse). Viele andere Mitarbeiter der Stadtverwaltung halfen mit.

180219_JahreskonferenzVSSG-RahmenprogrammDEF  [PDF, 687 KB]

180900_gartenbau_JK-ausfuehrlich-BerichtJK-Stuenzi  [PDF, 163 KB]

180826_Gaerten-Boveri-Stoeckli-1999  [PDF, 4.00 MB]