2010 Schaffhausen

 

Schaffhausen: Sehr sympathisch im Norden der Schweiz 

 

Jahresbericht 2009  [PDF, 171 KB]

Felix Guhl, Leiter der Stadtgärtnerei Schaffhausen, begrüsste die Teilnehmer der Jahresversammlung der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter (VSSG) in Schaffhausen. Leicht nachdenklich erwähnte Guhl unter anderem, dass wegen der Popularität von Steuersenkungen auch bei den Leistungen im öffentlichen Grünraum gespart werden muss. So haben die Jungfreisinnigen mittels einer Initiative in der Stadt Schaffhausen eine Abstimmung erzwungen, welche die Steuern um 15 % senken soll. Dies wäre nicht ohne Konsequenz auch für den Haushalt der Stadtgärtnerei. Die Frage, so Guhl weiter, stelle sich dann immer, welche Dienstleistung man nicht mehr anbieten soll.

Text: Thomas Schmid, Luzern
Bilder: Christian Wieland, Winterthur

Sichere Spielplätze? 

Zusammen mit Partnerstädten und der bfu bildet die VSSG Fachkräfte für die Sicherheit auf Spielplätzen aus. Dieser dreitägige Kurs schliesst mit einer anspruchsvollen Prüfung ab, welche die Kompetenz der Teilnehmer nachweist. Rückmeldungen aus Erfahrungstagungen zeigen leider, dass der Sicherheit auf Spielplätzen oft nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Beim planen, verkaufen und versetzen von Spielgeräten wird die auch für unser Land gültige EN Norm 1176 zu wenig beachtet. Nebst speziellen Anforderungen an Wippen, Rutschen, Schaukeln, Türmen oder Seilbahnen enthält sie allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen. Bei Schadenfällen auf Kinderspielplätzen wird unter anderem die Werkeigentümerhaftung angewendet. Der Eigentümer hat einen Schaden zu ersetzen, wenn dieser als Folge fehlerhafter Anlage oder mangelndem Unterhalt verursacht worden ist. Gerade der mangelnde Unterhalt ist für verschiedene Unfälle mit Verletzungsfolgen auch in der Schweiz verantwortlich.

Genau deshalb befasst sich die VSSG-Arbeitsgruppe mit dem Unterhalt. Die Arbeitsgruppe ist an der Erarbeitung von Merkblättern beteiligt, welche sich mit holzzersetzenden Pilzen, Rissen im Holz und möglichen Prüfverfahren für Hölzer befassen. Ebenso sammelt die Arbeitsgruppe Erfahrungen mit der Lebensdauer von künstlichen Fallschutzmaterialien. Mittels sogenannter HIC-Messungen (Head Injury Criterion) wird die Wirkung von Fallschutzbelägen ermittelt. Bei Fallschutzbelägen wird ein Wert von 1000 als Obergrenze vorausgesetzt. Dieser Grenzwert soll sicherstellen, dass bei Stürzen in der Regel fast keine Kopfverletzungen mit dauerhafter Schädigung zu erwarten ist. Bei diesem Wert sind 15 % der Verletzungen lebensgefährlich. Bei einem Wert von 2000 müssen bereits 90 % lebensgefährliche Verletzungen erwartet werden. Deshalb ist es wichtig, dass man einerseits die technischen Voraussetzungen beim Bau solcher Beläge kennt und anderseits die dämpfende Wirkung kontrollieren kann.

Lager- und Umschlagplatz 

Schaffhausen ist die nördlichste Stadt der Schweiz. Mit 35’000 Einwohnern erreicht sie Rang 14. Einen Spitzenrang erreicht Schaffhausen wegen der charmanten, wundervollen und äusserst interessanten Altstadt. Zahlreiche Renaissancegebäude zieren den historischen Stadtteil. Schaffhausen nennt man auch Erkerstadt, denn nicht weniger als 171 wunderschöne Erker zieren die Gebäude der Altstadt. Ausserhalb der ursprünglichen Stadtmauern, heute durch Expansion mitten in der Stadt, befindet der Munot, eine Festung aus dem 16. Jahrhundert.

Der Name Schaffhausen lässt sich von Scephusen ableiten. Sceph bedeutet in der Mittelhochdeutschen Sprache Schiff. Der Name weist auf die Bedeutung Schaffhausens für die Schifffahrt hin. Die Stadt entstand um das Jahr 1000 aufgrund der speziellen geografischen Lage unterhalb des Rheinfalls. Auf der Höhe von Schaffhausen war der Rhein damals breit und flach, man konnte ihn mit Pferden überqueren. Weil der Rheinfall die Wasserstrasse zwischen Bodensee und Basel unterbrach, mussten die Waren vom Schiff auf Fuhrwerke umgeladen werden. In Schaffhausen wurden wieder Schiffe beladen. Der Ort diente somit als Lager- und Umschlagplatz vieler Waren. Im Jahr 1049 erhielt Schaffhausen das sogenannte Münzrecht und wurde zur Stadt. Der Handel, die Einnahme von Zöllen und die Bewirtschaftung der Lager machte Schaffhausen zu einer reichen Stadt. Kriegswirren und ein steter Wechsel der Herrscher prägten die Geschichte der Stadt. 1501 wurde Schaffhausen das zwölfte Mitglied der Eidgenossenschaft.
300 Jahre später gründete Johann Fischer eine Giesserei. Fischer nutzte die Wasserkraft des Rheins. Bald siedelten sich Firmen wie IWC, Alusuisse oder die SIG an. 1866 entstand der grösste Staudamm der Schweiz. 1967 wurde der Damm durch das heutige Flusskraftwerk ersetzt. Es produziert nicht nur Strom, sondern reguliert auch den Wasserstand des Rheins bei Schaffhausen. Pro Sekunde können bis 1200 m3 Wasser durch das Kraftwerk fliessen.

Die Fäsenstaubpromenade und der Casinogarten

Die Geschichte der Stadt steht in engem Zusammenhang mit den Grün- und Parkanlagen. Die Fäsenstaubpromenade wurde 1803 erbaut. Für die Gestaltung wurde damals der markgräflich-badische Hofgärtner Johann Michael Zeyher engagiert. Er gestaltete den Park im Stile des englischen Landschaftsgarten. Vor dem Casino diente eine flach geneigte Rasenfläche als pleasure ground. Sanft geschwungene Rundwege führten an Gehölzgruppen vorbei. Baum- und Strauchgruppen boten interessante Durchblicke. Als Rückgrat zur Promenade zog sich eine Allee vom Casino zur Aussichtskanzel, welche einen wunderbaren Ausblick in die idyllische Rheinlandschaft bot. 1842 forderten Anwohner eine besser Anbindung an das Verkehrsnetz. Dies bedingte einen ersten Eingriff in den Park, er wurde in zwei Teile getrennt (Fäsenstaubpromenade und Casinogarten). Im Laufe der Jahre wurden die Anlagen mehrmals umgestaltet. Auslöser für die Umgestaltungen waren die mehrmalige Verbreiterung der erwähnten Steigstrasse und die Erweiterung der Parkanlage nachdem der alte Steinbruch westlich des Parks nach und nach aufgefüllt wurde. Um 1980 wurde als letzter gestalterischer Eingriff ein grosser Kinderspielplatz angelegt.

Fäsenstaubpromenade und Casinogarten werden heute als städtische Parkanlagen von der Stadtgärtnerei unterhalten. Aufgrund der überragenden Bedeutung der Anlage und anstehender Sanierungen, über deren Umsetzung Unsicherheiten bestanden, erstellte die Stadtgärtnerei bereits in den 90er- Jahren ein umfassendes, gartendenkmalpflegerisches Gutachten mit Parkpflegewerk. Der Schutzwert des Parks wurde bestimmt. Ein Idealplan zeigt die Perspektiven der Parkanlagen auf. Der Pflegeplan macht Hinweise für die zielgerichtete Pflege. Es handelt sich um unabdingbare Instrumente für den wirkungsvollen und nachhaltigen Unterhalt bedeutender Parkanlagen.

Übrigens: Fäsenstaub kommt von Vesenstaub. In den Mühlen wurde im 19. Jahrhundert Korn gemahlen. Die Spreu oder Vesen wurden vom Wind als Staub in Richtung Park geweht.

Bild: Guhl präsentiert die Fäsenstaubpromenade gekonnt. 


 

Die Erneuerung der Lindenallee erfolgt aufgrund des schlechten Zustandes der Linden in Etappen. Die Allee kann so nachhaltig erhalten werden. Jungbäume im Hintergrund.

 

 

Herrenacker: Stadthauptplatz

Der Herrenacker ist der grösste Platz inmitten der Schaffhauser Altstadt. Er hat eine wechselvolle Geschichte. Bereits 1840 wurde der Platz als Hauptplatz der Stadt bezeichnet. 1887 schenkte der Verschönerungsverein der Stadt eine Brunnenanlage mit 8 Kastanienbäumen. Diese Anlage jedoch, musste 1938 weichen, weil ein Zelt der Gewerbeausstellung den Platz benötigte.
In den 50er-Jahren wurde der Platz mehr und mehr zum Parkplatz. Bis eine private Gesellschaft unter dem Platz ein Parkhaus errichtet. Das gab der Stadt die Chance, den Platz seiner Bedeutung wieder gerecht werden zu lassen. Der Wettbewerb für die neue Platzgestaltung wurde vom Büro Rotzler, Krebs Partner gewonnen, der dazu nötige Kredit jedoch, wurde vom städtischen Stimmvolk abgelehnt. Eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe erarbeitete danach mit Beizug einer externen Projektsteuerung eine neue Lösung. Heute zieren ein Baumfeld und ein kleines Wasserspiel den oberen Teil des Herrenacker. Je eine Baumallee entlang der Häuserzeilen lassen den ehemaligen Hinterhofcharakter vergessen. Die starke Beanspruchung aufgrund der Anlieferung der diversen Läden, Warenhäuser und Geschäfte verlangte nach pragmatischen Lösungen. So wird der Platz mit einer Natursteinpflästerung umrahmt. Der Platz selber wurde mit einem offenporigen Festkiesbelag (Saibro)erstellt. Unterschiedliche Farbtöne lassen den Eindruck entstehen, als ob ein Teppich über den Platz gelegt wurde. Saibro erfüllte insbesondere die Kriterien Befahrbarkeit, Sickerfähigkeit und Rollstuhlgängigkeit. Eine sanfte Beleuchtung vervollständigt die gelungene Platzgestaltung.

Rheinufergestaltung

Wie das Amen zur Kirche, gehört der Rhein zu Schaffhausen. Die wichtigsten Grünräume der Stadt ziehen sich denn auch entlang des Flusses. Sie sind Magnet der Besucher und Bewohner der Stadt. 2001 feierte Schaffhausen seine 500 Jahre dauernde Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Die damalige mehrtägige Sperrung der Rheinuferstrasse machte bewusst, welches Potenzial in der südlichen Altstadt und am Rheinufer besteht. Verschiedene politische Vorstösse machten die Gestaltung der Uferzonen zum Thema. Eine im Mai 2005 überwiesene Motion enthielt den Auftrag, das gesamte Rheinufer städtebaulich zu attraktivieren und aufzuwerten. Der Stadtrat sollte einen zukunftsgerichteten Prozess zusammen mit interessierten Gruppierungen in Gang setzen. Rund 90 Personen beteiligten sich an diesem Mitwirkungsverfahren. Mit einem Schlussbericht wurde dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen. Er dient nun als wertvolle Grundlage für die Planung weiterer Schritte. Diese haben zum Ziel, die Zugänglichkeit zum Rhein zu verbessern und die Aufwertung des Ufers sicher zu stellen. In einem Masterplan wurden verschiedene Teilprojekte beschrieben. Zwischen 2009 und 2015 sollen die Teilprojekte umgesetzt werden. Das städtische Parlament stimmte dem Masterplan mit Zeitplan zu. Das Volk jedoch, lehnte in einer Abstimmung einen ersten Baukredit ab. Die ersten Verzögerungen sind eingetreten.

Auch dem Rhein entlang führt die Lindlipromenade. Sie verdankt ihre Entstehung neben dem Ausnützen günstiger Gelegenheiten auch dem aufkommenden Fremdenverkehr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bereits 1871 konnte eine erste Etappe des Rheinquais erstellt werden. Schon 15 Jahre später folgte eine Verlängerung der Anlage. Auch später erwarb die Stadt Schaffhausen nach und nach Grundstücke entlang dem Rhein, welche sie der Öffentlichkeit zugänglich machte. Heute besteht ein über 2 km langer Fussweg entlang dem Rhein. 2005 bewarb sich Schaffhausen zusammen mit 22 anderen Gemeinden um die Ausrichtung einer internationalen Gartenbauausstellung. Man wollte einen Garten von Schaffhausen bis Büsingen realisieren, in dem die Lindlipromenade eine wichtige Rolle spielen sollte. Das Projekt musste leider abgesagt werden. Viele Ideen sind aber geblieben. So soll das Rheinufer eine durchgehende gestalterische Sprache erhalten. Der Zugang zum Fluss soll verbessert werden. Die Abgrenzung zur parallel verlaufenden Rheinhaldenstrasse wird verbessert. Und der alte und wertvolle Baumbestand soll erhalten und gefördert werden. 

Schaffhausen glänzt mit wunderbaren Wechselflorkombinationen.

Viel könnte man noch erzählen über Schaffhausen. Über den Rheinfall oder naturnahe Schulhausanlagen. Über Obstgärten oder Probleme wie Lärm und Littering. Das Wichtigste aber ganz zum Schluss: Die Stimmberechtigten der Stadt Schaffhausen haben in der Volksabstimmung vom 29. August die Initiative 'Steuerbelastung senken' mit 55.5 % abgelehnt! 


Aussicht Fäsenstaubpromenade: Die Idylle am Rhein ist auch eine 'Verkehrsmaschine' geworden


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