GALK 2017, mit IGA Berlin

Gartenamtsleiterkonferenz und Internationale Gartenausstellung

Die Gartenamtsleiterkonferenz von Deutschland (GALK) 2017 fand im Besucherzentrum der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 statt. Hier zwei Berichte: zur Konferenz der Verbände  und zum anschliessenden Besuch der IGA.

Die auch in Deutschland angestrebte Innenverdichtung der Städte zeigt Wirkung, die Grünflächen geraten zunehmend unter Druck. Die GALK berbeitete verschiedene Themen im Zusammenhang mit Strategien, um diesem Druck entgegenzuwirken.

Kein Rückbau von Spielplätzen für Investoren
Der Arbeitskreis Spielen in der Stadt machte darauf aufmerksam, dass in manchen Bundesländern keine Handhabe mehr besteht, Spielplätze zu erhalten oder zu fordern. Vor allem unter dem Druck der doppelten Innenverdichtung - Verdichtung der Baugebiete und zusätzlich Überbauung der Grünflächen - gehen auch bestehende Spielplätze verloren. Fatalerweise heisst das für die Kommunalpolitik kurzfristigen doppelten Gewinn, durch Verkaufserlös und Einsparungen bei Pflege und Unterhalt. Der Arbeitskreis wird sich dem Thema Richtwerte für Spielplätze vor allem für Gebiete unter Druck annehmen, um realistische Zahlen als Leitfaden anzubieten. Zudem soll die Auswirkung von Ganztagesschulen auf Aussenflächen untersucht werden.

Wo ist Grün besser aufgehoben, bei Umwelt oder Stadtentwicklung?
Das Thema „Weissbuch Grün in der Stadt“ nahm auch dieses Jahr breiten Raum ein. In der Diskussion, wo das öffentliche Grün besser aufgehoben sei, ob bei der Umweltbehörde oder bei der Stadtentwicklung kam für die Bundesebene eine pragmatische Antwort. Vom Dezernat 6 Umwelt und Wirtschaft lag eine Einladung vor, das Thema Grün in der Stadt zu diskutieren, nicht aber vom Dezernat 5 Stadtentwicklung, dieses zeigte kein Interesse am Thema Grün. Auf der kommunalen Ebene ist die Stadtentwicklung häufig kein Partner, da sie Grünflächen primär als Aufwertungsflächen sieht, da Grün ja nur ein vorübergehender Zustand sein kann bis zur Inwertsetzung. Auch wenn die Umweltbehörde Grünflächen häufig primär als Retentionsflächen sieht, ist das Verständnis für Grün bei Umwelt grösser.

Organisation und Betriebswirtschaft
Der Arbeitskreis arbeitet an einem Leitfaden Grünflächenmanagement für die Zielgruppe Grünflächenämter und Querschnittsämter. Er soll Planen, Bauen, Pflegen und Unterhalten umfassen. Für Reorganisationen empfiehlt der Arbeitskreis, sich auf die Kennzahlen der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) und der GALK abzustützen und nicht auf Daten von Unternehmensberatungen.

Mitarbeiterausbildung
Wozu benötigen wir Ausbildung? - fragte der Sprecher des Arbeitskreises. Damit die eigenen Mitarbeitenden fit bleiben, da sie durch Fragen gefordert werden. Und, es stehen seit einiger Zeit nur halb so viele junge Menschen in einer Gartenbauausbildung wie für den Markt nötig wären. Für eine tragfähige Ausbildung braucht es motivierte Ausbildner, einen Stützpunkt für grundsätzliches und in der Fläche eine nachhaltige Pflege mit einer zielgerichteten Entwicklungspflege. Auf die entsprechende Frage zeigte sich: Eine deutliche Mehrheit der vertretenen Grünämter bilden noch Mitarbeitende aus.

Friedhofsentwicklungsplanung
Die Leiterin des Grünflächenamtes Saarbrücken zeigte an ihrer Stadt beispielhaft den Wert einer Friedhofentwicklungsplanung auf. In Saarbrücken wird in 27 teilweise Kleinstfriedhöfen bestattet. Die Integration des Eigenbetriebes Friedhöfe ins Grünflächenamt war Anlass, eine Friedhofsentwicklungsplanung durchzuführen. Politische Vorgabe für die Planung war, kein Friedhof darf aufgehoben werden. Auf 46 Prozent der Friedhofsfläche wird bestattet, 54 Prozent sind allgemeine Grünflächen. Die Auslastungsquote liegt bei 26 Prozent. Über die letzten 20 Jahre kann ein Rückgang der Beisetzungen/Bestattungen von 20 Prozent festgestellt werden. Derzeit sind 75 Prozent Urnenbeisetzungen mit Tendenz zunehmend. Die Gräber ohne Pflegeverpflichtung haben Zulauf, steigend ist auch die naturnahe Bestattung. Waldgräber und Waldgemeinschaftsgrab werden gesucht auf Kosten der Friedwälder. Ziel ist, mit neuen Angeboten Bestattungen in den Friedhof zurückzuholen

Honigbienen oder Wildbienen?
Verschiedene Akteure nutzen die Tatsache, dass die Honigbienen in den Medien präsent sind, um ihre Anliegen zu platzieren. Der Arbeitskreis Stadtentwicklung wurde angefragt, bei einem bundesweiten Förderprogramm für Honigbienen mitzumachen. Für die GALK ist klar, dass Honigbienen Wildbienen konkurrenzieren können und es deshalb keinen Sinn macht, überall Bienenstöcke aufzustellen. Er schlägt deshalb ein Konzept für biologische Vielfalt anstelle eines Honigbienenkonzeptes vor.

Weissbuch
Aus dem Positionspapier „Grün in der Stadt“ der GALK wurde schlussendlich nach einem vierjährigen Prozess mit Diskussionen und Abstimmungen das Weissbuch Stadtgrün (siehe auch Bericht zur GALK 2016). Das Weissbuch wurde an einer Tagung in Essen zum Stadtgrün von der Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks offiziell vorgestellt.
Das Weissbuch ist ein Arbeitsprogramm der Bundesregierung zu zehn Themen. Zum Beispiel soll dank einer Stärkung des Stadtgrüns im Planungsrecht Stadtentwicklung nur noch integriert erfolgen das heisst zusammen mit gesamtstädtischen und quartierbezogenen Grünkonzepten. Zusammen mit den Kommunen sollen Grünstandards erarbeitet werden. Stadtgrün soll sozial verträglich und gesundheitsfördernd entwickelt werden, was durch gleichmässige Verteilung von Grünflächen in Städten, auch und vor allem in ärmeren Stadtteilen, für mehr Umweltgerechtigkeit sorgen soll. Die zehnte Massnahme heisst „Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsmassnahmen“. Die Bundesregierung will zum Beispiel durch Auszeichnungen Anreize schaffen. So soll erstmalig ein Bundeswettbewerb „Grün in der Stadtentwicklung“ ausgelobt werden. Dieser Wettbewerb soll in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden. Zudem sollen am jährlich stattfindenden neuen Dialogforum neue Entwicklungen und erfolgreiche Praxisbeispiele diskutiert werden.
Und ganz wichtig: Der Bund will seine Vorbildfunktion stärken. Er will unter anderem dezidiert Pflegestrategien für Liegenschaften des Bundes erarbeiten.
Die Kernaussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die grüne Infrastruktur muss die Stadt zukunftsfähig und für die Bewohner lebenswert machen. Das öffentliche Grün ist ein Beitrag der sozialen Infrastruktur einer Stadt.

Peter Stünzi, Juli 2017

IGA Berlin 2017 im Berliner Stadtteil Marzan-Hellersdorf

Ursprünglich war vorgesehen die IGA auf dem Tempelhofer Flugfeld durchzuführen. Aufgrund eines ablehnenden Volkentscheides über die zukünftige Entwicklung der riesigen Fläche, musste relativ kurzfristig umdisponiert werden.

Auf dem über 100 Hektar grossen Areal im Berliner Stadtteil Marzan-Hellersdorf wird den Besuchern eine interessante Ausstellung und neue Parkanlage geboten. Unter fachkundiger Führung des Leiter Bau und Betrieb der IGA  2017, Matthias Koller, konnten die GALK Teilnehmer viel Interessantes erfahren.

Geprägt ist das grosse Gelände durch den durch Schutt und Abraum fast um das Doppelte auf 102 Meter angewachsene Kienberg, den man über diesen Steg errreicht.

Die Aufforstung des Hügels als Erosionsschutz erfolgte zu DDR Zeit mit nur vier Baumarten (Robinia, Götterbaum, Acer negundo und Pappeln). Im Rahmen der IGA wurden Schneisen und Freiflächen gerodet und neue Arten gesetzt, um die Biodiversität zu erhöhen.

Auf dem Gipfel trohnt das neue begehbare Aussichtsbauwerk, der Wolkenhain, mit spektakulärem Blick über Berlin bis weit ins Brandenburgische hinein. Die Konstruktion ruht in 20 Metern Höhe auf schlanken Stahlstützen. 170 Stahlknoten halten sie zusammen. Nachts leuchtet die Wolke dezent von innen heraus. Ob mit Seilbahn oder per pedes, viele Wege führen dorthin.
Die Seilbahn soll über die IGA hinaus in Betrieb sein und nicht nur als Ausflugziel dienen, sondern auch  eine schnelle Verbindung zur U-Bahnstation bleiben.

Auf dem Gelände befanden sich die schon in der früheren DDR erstellten "Gärten der Welt". Viele verschiedene, grosse und sehr originalgetreu erstellte Gärten welche die verschiedensten Gartenkulturen darstellen. (Balinesien, Japan, China, Korea  u.m.) und die neu erstellten Anlagen wie der orientalische und  der christliche Garten.

Der chinesische Garten:

 

Der Christliche Garten:

Diese "Gartensammlung" wird durch das Internationalen Gartenkabinett, welches einen Blick in die Welt auf die zeitgenössische Landschaftsarchitektur wirft ergänzt. Renommierte Landschaftsarchitekten aus neun Ländern gestalteten ihre innovativen Gartenvisionen. Auf jeweils 380 Quadratmetern begegnet den Besucherinnen und Besuchern Gartenkunst aus Grossbritannien, Australien, Libanon, Thailand, China, Deutschland, Brasilien, Chile und Südafrika.?

"The Garden of Vulcan", Grossbritanien:


Abwechslungsreiche Auen- und Wiesenlandschaften sowie kleinere, überwiegend künstlich angelegte Gewässer wie der Wuhleteich prägen den IGA-Bereich Wuhletal. Das Areal ist mit seinen zum Teil neu angelegten Flachwasserzonen ein bewusst zu schützender Naturbereich, in dem sich die Tier- und Pflanzenwelt prächtig weiterentwickeln kann.
Direkt daran angrenzend, im Ausstellungsgelände leider etwas abgelegen, befindet sich das sehr interessante Umweltbildungszentrum. Jeder Mensch auf der Welt benötigt  2'000 Quadratmeter Ackerland, kultiviert mit einer Vielzahl verschiedenster Nahrungs- und Faserpflanzen. Eine solche Fläche ist im Verhältnis der weltweiten Produktionsfläche bepflanzt. Ein äusserst lehrreiches und gärtnerisch anspruchsvolles Projekt.
Selbstverständlich gehören auch grosse Spielplätze, Blumenschauen und viele Veranstaltungen in der neuen Freiluftarena zur IGA.

Insgesamt eine schöne Kombination verschiedenster Parkelemente von intensiver Gartenkultur bis naturnahen Landschaften mit einer guten Erlebnisdichte ohne jedoch, wie so oft an Gartenschauen, überladen zu wirken. Das durchdachte Nachnutzungskonzept, mit eintrittspflichtigem Bereich bei den Gärten der Welt und den grosszügigen, frei zugänglichen Parkräumen, ist eine städtebauliche Aufwertung und eine grosse Bereicherung in der Grünraumversorgung für die Bevölkerung. ?

Felix Guhl, Präsident VSSG, Delegierter Deutschland, Juli 2017