_walk on the wild side

Der ganz besondere Spaziergang durch städtisches Wohnumfeld

Ein Projekt der Fachstelle Natur und Ökologie, Stadtgrün Bern

Bericht von Stéphanie Perrochet, Januar 2019, Fotos von Peter Studer

Im Kornhausforum in Bern war bis zum 20. Januar 2019 eine erfreuliche Fotoausstellung zu sehen. Sie dokumentierte eine innovative Aktion von Stadtgrün Bern, für die im August 2017 rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, privater Planungsbüros, der Politik und Quartierorganisationen zu einer dreitägigen Wanderung eingeladen waren:  _walk on the wild side.

Breitenrain, Bern

Die Studie, in der besten Tradition der Spaziergangsforschung, wurde von der Fachstelle Natur und Ökologie der Stadt Bern durchgeführt. Die Projektleitung lag bei Sabine Tschäppeler und Nik Indermühle. Die Bilder wurden während des _walks von dem Fotografen Peter Studer aufgenommen. Zu sehen waren in der Ausstellung auch Stadtnatur-Bilder des Citizen-Science-Projekts #naturinselspital, einer Zusammenarbeit des Inselspitals mit Stadtgrün Bern.

Der _walk sollte helfen eine Vermutung zu überprüfen: «Wenn aber Natur für den Menschen wichtig ist, und die Stadt für die Natur, könnten zwei Bedürfnisse auf einmal abgedeckt werden, indem Aussenräume städtischer Siedlungen naturnah gestaltet werden. » erläutert Christoph Schärer, Leiter  von Stadtgrün Bern in der projektdokumentierenden Publikation.

Fröschmatt, Bern-Bümpliz

«Essenz der Wahrnehmung»
Nach den eigenen Worten der Verfasser, ist der _walk keine Studie, sondern ein Erlebnis. Hier bestand nicht der Anspruch quantitative Daten zu liefern, sondern eher mit dem poetischen Textausdrucks eines Gefühls zu arbeiten. Sabine Tschäppeler nennt dies die «Essenz der Wahrnehmung». Auch ging es nicht um den öffentlichen Raum im Allgemeinen, sondern um den privaten und halbprivaten Raum urbaner Wohnsiedlungen. Die Unterscheidung ist wichtig, da die Nutzungsansprüche an den öffentlichen Raum viel weiter gefasst werden müssen.

Schönberg-Ost, Bern

Die Ausstellung zeigte die Auswertung der Feldbücher der Teilnehmenden an dem _walk und die Ergebnisse der intensiven Diskussionen. Es wurde in konzentrierter Form deutlich, wie Defizite und Vorzüge verschiedener Aussenräume wahrgenommen werden. Als Ergebnis liegen klare Aussagen dazu vor, was heute in Bern ein Wohnumfeld mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität ausmacht.

Das Feldbuch der Teilnehmer

«Felltierbiologin» Irene Weinberger
Die Ausstellung wurde von Führungen und Vorträgen begleitet. Ich konnte dem Vortrag von Irene Weinberger am 10. Januar zuhören. Sie stellte sich als Felltierbiologin vor und liess uns mit Witz und viel Fachkenntnis am Leben der Tiere in der Stadt teilhaben. Sie half uns Laien auf die Sprünge, um uns besser in tierische Probleme hineinzuversetzen : « Stellen Sie sich vor, sie wären 30 cm lang, müssten jede Nacht zwei Kilometer laufen, lebten von Insekten, Würmern und Körnern und könnten Hindernisse von mehr als 20 Zentimeter Höhe nicht überwinden … ». Bei dem Vortrag wurde klar: wir sollten noch besser erforschen, welche Tiere wo genau in der Stadt leben, und wie wir ihnen mit einer besseren Vernetzung ihrer Lebensräume oder der Schonung / Schaffung von Nistplätzen helfen können.

Diessbachgut, Länggasse

Gute Freiraumgestaltung !
Die Publikation zur Studie dokumentiert den _walk und zieht Schlüsse. Sie trägt zur Diskussion darüber bei, wie gute Freiräume heute aussehen können. Diese ist zur Zeit besonders wichtig, denn die Siedlungsgebiete werden immer stärker verdichtet, auch Bern macht da keine Ausnahme. Statements zur empfundenen Qualität von Freiräumen helfen Planern sich im Verdichtungsdschungel zu orientieren. Die Empfindung der Schönheit: ein Forschungsgebiet, welches im Städtebau lange vernachlässigt wurde. Weiter wird die Publikation durch Exkurse von Fachleuten bereichert. So schreibt zum Beispiel Andrea Cejka, Professorin am Studiengang Landschaftsarchitektur der HSR: «Nicht nur ökologische Gestaltung führt zu Schönheit, sondern die Gleichzeitigkeit mit formal exzellenter Gestaltung bringt letztendlich die notwendige Qualität.»

Nehmen Sie die Publikation zur Hand: sie ist voll von wertvollen Gestaltungshinweisen für mehr Lebensqualität in der Stadt (auch) für Menschen.

Publikation:
_walk on the wild side
Ein Spaziergang durch städtisches Wohnumfeld
Bern, November 2018
Konzept: S. Tschäppeler, N. Indermühle, Realisierung: S. Tschäppeler
Bezugsquelle: www.bern.ch/walk